Kardinalbarsche

Kardinalbarsche (Apogonidae) sind eine artenreiche Gruppe kleinbleibender Barschverwandter. Die vorwiegend nachtaktiven Fische besiedeln meist in größeren Gruppen oder Schwärmen Fels- und Korallenriffe. Viele Arten besitzen eine rötliche Färbung. Zu den beliebtesten und häufig angebotenen Arten in der Aquaristik zählen u. a. der Banggai- oder Molukken-Kardinalbarsch (Pterapogon kauderni), der Pyjama-Kardinalbarsch (Sphaeramia nematoptera) und der Neon- oder Fadenflossen-Kardinalbarsch (Zoramia leptacantha). Der in seinem natürlichen Bestand bedrohte und artgeschützte Banggai-Kardinalbarsch (Anhang B) wird regelmäßig nachgezüchtet; vom Kauf von Wildfängen wird daher ausdrücklich abgeraten!

Geschlechtsunterschiede

Äußerliche Geschlechtsunterschiede sind praktisch nicht vorhanden; lediglich brütende Männchen können an ihrem ausgebeulten Kehlsack erkannt werden.

Verhalten

Kardinalbarsche leben in der Natur in Gruppen oder großen Schwärmen, die sich auch aus mehreren Arten zusammensetzen können. Im Aquarium dürfen die Tiere niemals einzeln gepflegt werden, sondern sollten vorzugsweise paarweise gehalten werden. Eine Gruppenhaltung mit mehreren Paaren ist nur in sehr großen Aquarien (> 1000 l) möglich, da die Männchen in zu kleinen Becken untereinander unverträglich sein können.

Kardinalbarsche sind dämmerungs- und nachtaktiv; tagsüber stehen sie meist ruhig an geschützten Stellen im Riffaufbau.

Verhaltensgerechte Unterbringung

Für die Pflege von Kardinalbarschen (z. B. ein Paar) sollte das Aquarium mindestens 500 l Inhalt besitzen (Kantenlänge 1,50 m). Das Aquarium sollte über einen gut strukturierten Riffaufbau mit vielen Überhängen und Höhlen verfügen, aber dennoch genügend freien Schwimmraum bieten. Bei der Haltung mehrerer Paare sind sehr große Aquarien (s. o.) erforderlich.

Eine Vergesellschaftung mit anderen friedlichen Fischarten ist problemlos möglich. Nur wenige (größere) Arten der Kardinalbarsche vergreifen sich an kleinen Fischen.

Wasserwerte: Tropisches Meerwasser, 24 - 27 °C, (Salz)Dichte 1,022 - 1,025 (bei 25 °C).

Ernährung

Kardinalbarsche sind Planktonfresser, die im Aquarium mit mittleren bis größeren Frost- oder Lebendfuttersorten (z. B. Mysis, Krill) ernährt werden können. Flocken- oder Granulatfutter wird von den Fischen häufig nicht angenommen. Die Fütterung der Kardinalbarsche sollte in den Morgen- oder Abendstunden erfolgen.

Pflege

Meerwasseraquarien benötigen eine Einlaufphase, damit sich die für den Schadstoffabbau erforderlichen Bakterienkulturen entwickeln können, sowie eine technische Mindestausstattung. Hierzu zählen beispielsweise Strömungspumpen, sowie ein ausreichend dimensionierter Abschäumer und evtl. eine mechanische (Vor)Filterung (z. B. Filterwatte) sowie ein UV-C Klärer. Der Abschäumer sollte regelmäßig kontrolliert, d. h. der Schaumtopf geleert und gesäubert werden. Auch die mechanischen Filtermedien sollten regelmäßig gereinigt oder ausgetauscht werden.

Ein regelmäßiger, wöchentlicher Teilwasserwechsel von mindestens 10 % entfernt Schadstoffe, liefert Mineralien und Spurenelemente nach und erhöht das Wohlbefinden der Fische und Niederen Tiere. Beim Ansetzen des frischen Meerwassers ist darauf zu achten, dass sich das Salz komplett löst. Verdunstetes Wasser darf nur durch (entsalztes) Osmosewasser ersetzt werden!

Die wichtigsten Wasserparameter – wie Temperatur, Nitrat, Phosphat und die Salzdichte – sollten regelmäßig selbst zu Hause, im Zoofachhandel oder durch einen fischkundigen Tierarzt kontrolliert werden. Insbesondere in der Einlaufphase und beim Auftreten von allgemeinen Problemen (z. B. Krankheiten) ist darüber hinaus auch die Messung von Ammonium- und Nitritgehalt erforderlich.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich, beispielsweise bei der Fütterung, kontrolliert werden. Häufige Krankheitsanzeichen bei Kardinalbarschen sind Abmagerung, Flossenschäden, Hautveränderungen (Pünktchen, Beläge, rote Flecken), sowie hektische und unkoordinierte Bewegungen. Bei Auffälligkeiten muss ein fischkundiger Tierarzt hinzugezogen werden.

Eingewöhnung und Umgang

Zuhause angekommen, sollte zunächst die Beleuchtung im Aquarium ausgeschaltet werden. Für das anschließende Einsetzen von Meerwasserfischen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann der Fischbeutel zur Temperaturangleichung für maximal 10 Minuten auf die Wasseroberfläche gelegt werden (Strömungspumpen beachten!); anschließend wird er geöffnet und alle 1 - 2 Minuten eine halbe Tasse Aquarienwasser zugegeben, bis der Beutel fast gefüllt ist. Danach wird ungefähr die Hälfte des Wassers aus dem Beutel entfernt und nochmals alle 1 - 2 Minuten eine ganze Tasse Aquarienwasser zugegeben. Ist der Beutel wieder fast gefüllt, sollten die Tiere am besten vorsichtig mit einem Gefäß in das Aquarium gesetzt werden. WICHTIG: Das Transportwasser darf nicht in das Aquarium gelangen. Alternativ kann diese Angleichungsphase auch in einem dunklen Eimer durchgeführt werden. ACHTUNG: Kardinalbarsche sind sehr transportempfindlich! Fang und Transport müssen daher sehr schonend erfolgen.

Sind bereits revierbildende Fische im Aquarium, so können diese durch eine Fütterung von den Neuankömmlingen abgelenkt werden. Zur schonenden Eingewöhnung sollte das Licht bis zum nächsten Morgen ausgeschaltet bleiben.

Besonderheiten

Banggai-Kardinalbarsche lassen sich im Aquarium vergleichsweise einfach züchten, da es sich um Maulbrüter handelt, bei denen das Männchen die Brutpflege übernimmt und große Jungfische entlässt. Diese halten sich anschließend bevorzugt zwischen den Schutz bietenden langen Stacheln von Diademseeigeln auf, aber auch Steinkorallen und Anemonen werden von den Jungfischen aufgesucht.