Kugel-, Koffer- und Igelfische

Ihre fischuntypische, gedrungene Gestalt verbindet die meist rundlichen Kugelfische (Tetraodontidae) mit den nah verwandten, eckigen Koffer- (Ostraciidae) und rundlich-stacheligen Igelfischen (Diodontidae). Es sind eher gemächliche, jedoch äußerst manövrierfähige Schwimmer, die sich auch rückwärts fortbewegen können. Die widerstandsfähige Haut ist schuppenlos. Ihre Zähne sind zu vier kräftigen Zahnplatten verwachsen.

In der Aquaristik werden regelmäßig sowohl Vertreter der Rundkopfkugelfische (z. B. der Schwarzflecken-Kugelfisch Arothron nigropunctatus) als auch der Spitzkopfkugelfische (z. B. der Sattel-Spitzkopfkugelfisch Canthigaster valentini) gepflegt. Kugelfische besitzen kurze Stacheln am Körper, die bei den Igelfischen noch deutlich stärker ausgebildet sind. Kugel- und Igelfische können sich durch Schlucken von Meerwasser bei Gefahr aufpumpen, spreizen dabei die Stacheln ab und sind damit vor dem Verschlingen durch Fressfeinde gut geschützt. Da der „Aufpumpvorgang“ und die anschließende Entleerung des Magens für die Tiere einen erheblichen Stress darstellen, darf dieses Verhalten im Aquarium nicht provoziert werden.

Im Zoofachhandel findet man z. B. den Kurzstachel- (Cyclichthys orbicularis) und Langstachel-Igelfisch (Diodon holocanthus). Der Körper der Kofferfische wird von einem Knochenpanzer geschützt. Zu den häufig angebotenen Arten zählen u. a. der Gewöhnliche Kofferfisch (Ostracion cubicus) und der Gehörnte Kuhkofferfisch (Lactoria cornuta). Alle drei Fischgruppen besitzen ein starkes Nervengift, welches bei Stress und beim Tod der Tiere freigesetzt wird und dann alle Fische im Aquarium töten kann. Für den Menschen besteht nur beim Verzehr der Fische Lebensgefahr.

Geschlechtsunterschiede

Bei vielen Arten sind keine äußerlichen Geschlechtsunterschiede feststellbar. Beim Sattel-Spitzkopfkugelfisch besitzen die Männchen hinter den Augen leuchtend blaugrüne Linien auf der Haut.

Verhalten

Manche Kugelfischarten leben im Meer im Harem oder schließen sich gar zu großen Verbänden zusammen und können daher in größeren Aquarien auch zumindest paarweise gepflegt werden (Sattel-Spitzkopfkugelfisch). Männchen untereinander sind meist aggressiv. Igel- und Kofferfische sind häufig unverträglich gegenüber Artgenossen und sollten einzeln gehalten werden.

Kugel-, Koffer- & Igelfische sind tagaktiv.

Verhaltensgerechte Unterbringung

Der kleinbleibende Sattel-Spitzkopfkugelfisch kann als Einzeltier bereits in Aquarien ab 500 l Volumen gepflegt werden. Für ein Paar dieser Art oder auch für Einzeltiere der anderen genannten Arten werden Aquarien mit einem Wasserinhalt von mindestens 1000 l, teilweise auch deutlich mehr, benötigt. Das Aquarium sollte über einen gut strukturierten Riffaufbau mit vielen ausreichend großen Höhlen und Unterständen verfügen, aber dennoch genügend freien Schwimmraum bieten. Stromführende Kabel müssen insbesondere bei der Pflege größerer Exemplare vor Bissen geschützt werden. Junge Kofferfische dürfen nicht mit stark nesselnden Korallen und Anemonen vergesellschaftet werden.

Eine Vergesellschaftung mit anderen Fischarten ist meist problemlos; lediglich sehr kleine Fische werden von manchen Exemplaren gefressen. Wirbellose wie Krebse, Schnecken oder Seeigel werden allerdings als Nahrung angesehen.

Wasserwerte: Tropisches Meerwasser, 24 - 27 °C, (Salz)Dichte 1,022 - 1,025 (bei 25 °C).v

Ernährung

Kugel-, Igel- und Kofferfische benötigen hartschalige Nahrung wie Muscheln, Schnecken und Krebstiere, um die nötige Abnutzung ihrer lebenslang wachsenden Zahnplatten zu gewährleisten. Das Futter kann in lebendem oder gefrorenem Zustand gereicht werden. Gut geeignet sind ganze (Mies-)Muscheln, Garnelen, Krebse und Krabben mit Panzer. Auch eine Gabe von Kleinstkrebsen wie (gefrorenen) Cyclops, die sich zwischen den Riffsteinen verteilen und dazu führen, dass die Fische bei der Futtersuche ihre Zähne durch Knabbern am Gestein abnutzen, kann sinnvoll sein. Aufgrund der Beißkraft sollte eine kontrollierte Fütterung größerer Exemplare immer von der Pinzette, niemals mit der bloßen Hand, erfolgen.

Pflege

Meerwasseraquarien benötigen eine Einlaufphase, damit sich die für den Schadstoffabbau erforderlichen Bakterienkulturen entwickeln können, sowie eine technische Mindestausstattung. Hierzu zählen beispielsweise Strömungspumpen, sowie ein ausreichend dimensionierter Abschäumer und evtl. eine mechanische (Vor)Filterung (z. B. Filterwatte). Da die genannten Arten teils sehr empfänglich für Hautparasiten sind, empfiehlt sich eine Entkeimung des Wassers mithilfe eines UV-C Klärer.

Ein regelmäßiger, wöchentlicher Teilwasserwechsel von mindestens 10 % entfernt Schadstoffe, liefert Mineralien und Spurenelemente nach und erhöht das Wohlbefinden der Fische und Niederen Tiere. Beim Ansetzen des frischen Meerwassers ist darauf zu achten, dass sich das Salz komplett löst. Verdunstetes Wasser darf nur durch (entsalztes) Osmosewasser ersetzt werden! Der Abschäumer sollte regelmäßig kontrolliert, d. h. der Schaumtopf geleert und gesäubert werden. Auch die mechanischen Filtermedien sollten regelmäßig gereinigt oder ausgetauscht werden

Die wichtigsten Wasserparameter – wie Temperatur, Nitrat, Phosphat und die Salzdichte – sollten regelmäßig selbst zu Hause, im Zoofachhandel oder durch einen fischkundigen Tierarzt kontrolliert werden. Insbesondere in der Einlaufphase und beim Auftreten von allgemeinen Problemen (z. B. Krankheiten) ist darüber hinaus auch die Messung von Ammonium- und Nitritgehalt erforderlich.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich, bspw. bei der Fütterung, kontrolliert werden. Häufige Krankheitsanzeichen bei Kugelfischen, Igelfischen und Kofferfischen sind Abmagerung, Flossenschäden, Hautveränderungen (Pünktchen, Beläge, rote Flecken), Veränderungen der Augen sowie verändertes Schwimmverhalten. Bei Auffälligkeiten muss ein fischkundiger Tierarzt hinzugezogen werden.

Eingewöhnung und Umgang

Zuhause angekommen, sollte zunächst die Beleuchtung im Aquarium ausgeschaltet werden. Für das anschließende Einsetzen von Meerwasserfischen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann der Fischbeutel zur Temperaturangleichung für maximal 10 Minuten auf die Wasseroberfläche gelegt werden (Strömungspumpen beachten!); anschließend wird er geöffnet und alle 1 - 2 Minuten eine halbe Tasse Aquarienwasser zugegeben, bis der Beutel fast gefüllt ist. Danach wird ungefähr die Hälfte des Wassers aus dem Beutel entfernt und nochmals alle 1 - 2 Minuten eine ganze Tasse Aquarienwasser zugegeben. Ist der Beutel wieder fast gefüllt, sollten die Tiere am besten vorsichtig mit einem Gefäß in das Aquarium gesetzt werden. WICHTIG: Das Transportwasser darf nicht in das Aquarium gelangen. Alternativ kann diese Angleichungsphase auch in einem dunklen Eimer durchgeführt werden.

Sind bereits revierbildende Fische im Aquarium, so können diese durch eine Fütterung von den Neuankömmlingen abgelenkt werden. Zur schonenden Eingewöhnung sollte das Licht bis zum nächsten Morgen ausgeschaltet bleiben.

Kugel- und Igelfische sollten stets unter Wasser umgesetzt werden, da sie sich außerhalb des Wassers mit Luft aufpumpen, diese aber nicht mehr abgeben können und sterben. Bei sehr kleinen Exemplaren sollte insbesondere in den ersten Tagen der Eingewöhnung darauf geachtet werden, dass die Tiere nicht von zu kräftigen Pumpen angesaugt werden können.

Besonderheiten

V. a. Kofferfische erweisen sich oft als sehr krankheitsanfällig.