Weißbauchigel

Die Familie der Igel (Erinaceidae) umfasst 24 Arten, die in Europa, Asien und Afrika unterschiedlichste Lebensräume besiedeln. Der Afrikanische Weißbauchigel (Atelerix albiventris) zählt zu den kleineren Igelarten. Er wird insbesondere in den USA, aber auch in Europa seit vielen Jahren erfolgreich als Heimtier gehalten und in einer Vielzahl unterschiedlicher Farbvarianten gezüchtet. Im Gegensatz zum meist dunkler gefärbten und deutlich größer werdenden einheimischen Braunbrustigel unterliegt er nicht dem Artenschutzrecht.

Geschlechtsunterschiede

Beim Männchen ist der Penis ungefähr in der Bauchmitte deutlich sichtbar. Die Tiere werden mit etwa 9 Wochen geschlechtsreif.

Verhalten

Weißbauchigel sind Einzelgänger, die sich in der Natur nur zur Paarung treffen. Grundsätzlich ist daher eine Einzelhaltung zu empfehlen. Alternativ ist auch die Haltung mehrerer Weibchen möglich, solange es zwischen den Tieren nicht zu Unverträglichkeiten kommt. Eine paarweise Haltung ist nur bei Zuchtabsichten ratsam; im Falle einer Trächtigkeit sollte das Weibchen dann vom Männchen getrennt werden.

Weißbauchigel sind überwiegend nachtaktiv; tagsüber suchen sie Schutz in Höhlen und unter Laub.

Verhaltensgerechte Unterbringung

Für ein bis zwei Tiere sollte das Gehege mindestens eine Grundfläche von 2 m2 aufweisen, für jedes weitere Tier 1,5 m2 mehr. Da Weißbauchigel nicht klettern, ist eine Höhe von 60 cm ausreichend. Das Gehege sollte an einer möglichst ruhigen Stelle ohne direkte Sonneneinstrahlung stehen und eine Vielzahl von Rückzugsmöglichkeiten aufweisen. Neben Holzhäuschen (eines pro Tier) eignen sich hierfür ausreichend dimensionierte Korkröhren. Ein Sandbad wird gerne genutzt. Als Bodengrund bietet sich weiche Kleintier- oder Hanfeinstreu an. Zur besseren Abnutzung der Krallen können in einem Teilbereich Rindenmulch sowie flache Steinplatten angeboten werden.

Tagsüber sind Temperaturen von 20 bis 24 °C, an einem Wärmeplatz bis 28 °C erforderlich; nachts nicht unter 18 °C. Im Bedarfsfall muss eine geeignete Wärmequelle installiert werden. Im Gegensatz zum europäischen Igel halten Weißbauchigel keinen Winterschlaf, sondern eine Sommer- und Winterruhe, in der sie inaktiver sind. Zu hohe oder zu niedrige Temperaturen (unter 18 °C) können den Tieren schaden.

Weißbauchigel sind sehr bewegungsaktiv und neugierig; daher sollten sie täglich gesicherten, abwechslungsreichen Freilauf erhalten. Dabei müssen alle potenziellen Gefahrenquellen, wie beispielweise Elektrokabel, Zimmerpflanzen oder andere Haustiere berücksichtigt werden sowie sichergestellt sein, dass die Tiere ausreichend zahm sind, um ihnen Stress beim Umsetzen zu ersparen. Ein tierschutzgerechtes Laufrad ab 40 cm Durchmesser oder ein Laufteller können zusätzlich stundenweise angeboten werden.

Ernährung

Afrikanische Weißbauchigel sind Allesfresser mit einer Vorliebe für Insekten. Heuschrecken, Heimchen oder Grillen sollten täglich angeboten werden, Mehlwürmer und Zophobas nur als Leckerbissen. Auch spezielle Futtermischungen für exotische Igel sowie hochwertiges Katzentrockenfutter sollten täglich zur Verfügung stehen; Katzennassfutter, gekochtes Fleisch, Babymäuse und Eier können ebenfalls angeboten werden.

Manche Igel fressen gerne Obst; allerdings darf dieses nur in geringen Mengen (max. 10 % der Gesamtfuttermenge) gereicht werden, da ein Übermaß zu Durchfällen führen kann. Das Futter sollte regelmäßig mit einem Vitamin-Mineral-Pulver aufgewertet werden. Sauberes Trinkwasser muss stets zur Verfügung stehen.  

Achtung: Igel vertragen keinen Milchzucker und dürfen daher nicht mit Milch gefüttert werden!

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Kot- und Urinecken müssen täglich, das Gehege und die Einrichtung mindestens einmal wöchentlich gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert werden. Dabei wird auch die Einstreu komplett erneuert.

Der allgemeine Gesundheitszustand der Tiere muss täglich, das Gewicht möglichst wöchentlich kontrolliert werden. Häufige Krankheitsanzeichen bei Weißbauchigeln sind Haut- und Fellveränderungen, Krallenprobleme, Schnupfensymptome, Durchfall, Futterverweigerung, Abmagerung, Apathie und Bewegungsstörungen. Bei Auffälligkeiten sollte ein igelkundiger Tierarzt hinzugezogen werden, z. B. bei mangelhafter Abnutzung der Krallen.

Während der ersten Lebensmonate (meist 2. bis 5. Monat) findet ein Wechsel der Stacheln statt. In dieser Zeit kratzen sich die Igel häufiger und weisen stellenweise schuppige Haut oder kahle Stellen auf. Bei Unklarheiten sollte auch hier ein igelkundiger Tierarzt einbezogen werden.

Achtung: Weißbauchigel können Hautpilze übertragen. Bei Verdacht sollten die Tiere vom Tierarzt getestet und behandelt werden. Gründliches Händewaschen oder Desinfizieren nach jedem Kontakt schützt.

Eingewöhnung und Umgang

In den ersten Tagen benötigen die Tiere viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Weißbauchigel rollen sich zum Schutz vor Fressfeinden zu einer Kugel zusammen, werden dem Halter gegenüber aber meist schnell zahm. Ein Füttern aus der Hand sollte unterbleiben, da die Tiere empfindlich zubeißen können.

Zum Hochheben nimmt man aufgerollte Tiere vorsichtig mit Schutzhandschuhen auf; zahme Igel können mit einer Hand vorsichtig von unten am Brustkorb gefasst werden, während die zweite Hand am Hinterteil unterstützt. Die Tiere sind für Kinder erst ab 10 Jahren und unter Aufsicht der Eltern geeignet.

Besonderheiten

Weißbauchigel werden zwischenzeitlich in einer Vielzahl von Farbschlägen gezüchtet. Auf gesunde, lebhafte Tiere sollte großer Wert gelegt werden, da bereits unheilbare Erkrankungen aufgetreten sind, die möglicherweise durch Inzucht begründet sind. Hierzu zählt auch das  „Wobbly Hedgehog Syndrome“ (WHS), beim dem sich die Tiere nur noch taumelnd fortbewegen können.