Afrikanische Knirpsmaus

Die Afrikanische Knirps- oder Zwergmaus (Mus mattheyi, meist als M. minutoides bezeichnet) ist eine der kleinsten Mäusearten weltweit und stammt ursprünglich aus den Steppen und Buschlandschaften des tropischen Afrikas. Knirpsmäuse können zwar gut klettern und springen, halten sich aber bevorzugt im Bodenbereich auf. In der Natur leben die Tiere in größeren Gruppen bzw. Familienverbänden. Dabei spielen die Gemeinschaftsnester eine zentrale Rolle für den Gruppenzusammenhalt, die Aufzucht der Jungen und für die Wärmeregulation.

Knirpsmäuse werden häufig gehalten und nachgezüchtet. Neben wildfarbenen Tieren mit bräunlichem Rückenfell gibt es auch „blaue“ Zuchtlinien mit graublauem Fell. Knirpsmäuse sind keine Streicheltiere und reagieren häufig sehr sensibel auf Veränderungen ihrer Umgebung und/oder Stress; sie sind daher nicht für Anfänger geeignet.

Geschlechtsunterschiede

Der Abstand zwischen Geschlechtsöffnung und After ist bei der männlichen Knirpsmaus deutlich größer als beim Weibchen. Bei geschlechtsreifen Männchen sind meist auch die Hoden gut zu erkennen.

Verhalten

Die Tiere sind strikt dämmerungs- und nachtaktiv.

Knirpsmäuse sind sehr gesellig und sollten stets in der Gruppe gehalten werden. Neben einem Harem (ein Männchen mit mehreren Weibchen) ist auch die Pflege reiner Weibchengruppen möglich. Männchen können untereinander sehr unverträglich werden. Bei der Haltung von Paaren und Harems muss unbedingt die hohe Vermehrungsrate beachtet werden! Da sich das Aneinandergewöhnen geschlechtsreifer Tiere schwierig gestalten kann, sollten Knirpsmäuse bereits als Jungtiere vergesellschaftet werden.

Verhaltensgerechte Unterbringung

Für eine kleine Gruppe Knirpsmäuse eignet sich ein Nagarium oder Terrarium. Die Grundfläche muss für 2 Tiere mindestens 0,3 m2 (z. B. 80 x 40 cm) betragen; für jedes weitere erwachsene Tier sind 20 % der Fläche hinzuzurechnen. Da die Tiere gerne klettern, ist eine Höhe von mindestens 50 cm erforderlich. Aufgrund der geringen Körpergröße sind Gitterkäfige nicht geeignet. Aquarien ebenfalls nicht, da die Tiere sehr empfindlich auf schlechte Belüftung und dabei entstehende Schadgase (Ammoniak) sowie erhöhte Luftfeuchtigkeit reagieren.

Das Nagarium sollte an einer möglichst ruhigen Stelle ohne Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung stehen. Eine erhöhte Aufstellung des Käfigs erleichtert die Beschäftigung mit den Mäusen und schützt sie vor anderen Haustieren. Die Temperatur sollte zwischen 20 bis 26 °C liegen. Knirpsmäuse reagieren sehr empfindlich auf zu hohe oder zu niedrige Temperaturen und plötzliche Temperaturschwankungen.

Die Einstreuhöhe sollte etwa 10 cm betragen; geeignet ist Kleintiereinstreu, die mit Heu und Stroh vermischt werden kann. Die Einrichtung des Nagariums muss für die kletterfreudigen Tiere die ganze Höhe mit einbeziehen. Hierfür eignen sich Kletteräste, Seile, Ebenen etc. Des Weiteren brauchen die Tiere vielfältige Versteckmöglichkeiten, wie Häuschen oder Röhren. Als weitere Beschäftigungs- und Nagematerialien können Papierrollen, Grasbüschel, Naturäste (keine Nadelhölzer), unbedrucktes Papier oder Karton Verwendung finden. Auch ein tierschutzgerechtes Laufrad mit mind. 15 cm Durchmesser sorgt für zusätzliche Bewegung. Zellstoff und/oder Heu nehmen die Mäuse gerne für den Nestbau an.

Futter- und Wassergefäße können auf einer erhöhten Ebene standsicher angeboten werden. Es muss darauf geachtet werden, dass alle schweren Einrichtungsgegenstände untergrabsicher, beispielsweise Häuschen direkt auf der Bodenplatte, angebracht werden. Laufräder mit offener Sprossenlauffläche, zu kleine oder nicht achsseitig geschlossene Laufräder sowie geschlossene (Plastik-)Käfige ohne ausreichende Belüftung werden als tierschutzwidrig bewertet.

Ernährung

Afrikanische Knirpsmäuse benötigen relativ viel Nahrung und Flüssigkeit, da sie aufgrund ihrer geringen Körpergröße schnell Wärme verlieren. Bereits kurzzeitiger Futter- oder Wassermangel kann zu Kannibalismus in der Gruppe führen!

Knirpsmäuse sind Gemischtköstler. Ihr Hauptfutter besteht aus kleineren Sämereien und tierischem Eiweiß in Form von lebenden oder getrockneten Insekten, Katzentrockenfutter, Joghurt oder hartgekochtem Ei. Abwechslungsreiches Frischfutter (z. B. Karotte, Gurke, Zucchini, Apfel, Wiesenkräuter) muss täglich angeboten werden. Das Frischfutter kann direkt auf die Einstreu gelegt oder in einem separaten Futternapf angeboten werden, sollte aber nicht zusammen mit dem Trockenfutter in einen Napf gelegt werden.

Über einen Mineralstein können die Mäuse selbständig ihren Bedarf decken. Sauberes Trinkwasser muss stets zur Verfügung stehen. Ölsaaten und Nüsse dürfen nur vereinzelt in sehr kleiner Menge gegeben werden. Zucker- und fetthaltige Leckerlis, wie Joghurtdrops, Nagergebäck und Ähnliches sind nicht zu empfehlen.

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Kot- bzw. Urinecken müssen täglich, das Gehege und die Einrichtung mindestens einmal wöchentlich gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert werden. Dabei wird auch die Einstreu erneuert. Da sich Mäuse stark über den Geruchssinn orientieren, kann nach der Reinigung ein kleiner Teil der alten Einstreu in den Käfig zurückgegeben werden.

Der allgemeine Gesundheitszustand der Knirpsmäuse muss täglich kontrolliert werden. Häufige Krankheitsanzeichen sind Haut- und Fellveränderungen, Schnupfensymptome, Apathie sowie Durchfall. Bei Auffälligkeiten muss ein kleinsäugererfahrener Tierarzt hinzugezogen werden.

Eingewöhnung und Umgang

Knirpsmäuse benötigen zur Eingewöhnung in den ersten Tagen in ihrer neuen Umgebung viel Ruhe. Aufgrund ihrer geringen Größe eignen sich die Tiere nicht für ein Handling oder gar Freilauf. Knirpsmäuse dürfen nicht am empfindlichen Schwanz angefasst und sollten auch nie mit der Hand gefangen werden. Sie lassen sich aber vorsichtig in ein Gefäß (z. B. Transportbox) dirigieren oder mit einem feinmaschigen Kescher fangen. 

Besonderheiten

Knirpsmäuse können hoch und weit springen! Auf Veränderungen der Gruppenzusammensetzung, des Klimas und des Futter-/Wasserangebotes reagieren die Tiere häufig mit blutigen Kämpfen und Kannibalismus.