Afrikanische Zwergschläfer

Die ca. 15 Arten der Afrikanischen Bilche oder Pinselschwanzbilche (Graphiurus) kommen in weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara vor. Bevorzugter Lebensraum der hervorragenden Kletterer sind dabei tropische Regenwaldgebiete und Bergwälder.

In Deutschland wird nur der Afrikanische Zwergschläfer (Graphiurus sp.) regelmäßig gehalten und nachgezüchtet. Bei ihm handelt es sich wahrscheinlich um eine (ungewollte) Kreuzung mehrerer unterschiedlicher Arten. Zwergschläfer sind extrem flink, strikt nachtaktiv und daher nicht für Anfänger geeignet.

Geschlechtsunterschiede

Bei Jungtieren ist eine Geschlechtsbestimmung sehr schwierig. Bei geschlechtsreifen Männchen sind meist die Hoden gut zu erkennen. Ansonsten kann durch leichten Druck auf den Bauch der Penis ausgestülpt werden.

Verhalten

Die Tiere sind streng nachtaktiv.

Zwergschläfer leben in der Natur in Familienverbunden von bis zu 15 Tieren, die sich nachts „zwitschernd“ verständigen. Sie sollten stets in der Gruppe gehalten werden. Neben einem Harem ist auch die Pflege reiner Weibchengruppen möglich. Männchen können untereinander sehr unverträglich werden. Neue Gruppen sollten möglichst vor Erreichen der Geschlechtsreife (mit ca. 4 Monaten) zusammengestellt werden.

Verhaltensgerechte Unterbringung

Für eine Gruppe Zwergschläfer eignet sich ein ausbruchssicheres Nagarium oder Terrarium. Die Grundfläche muss für bis zu 10 Tiere mindestens 0,5 m2 betragen. Da die Tiere vorrangig in Baumkronen leben und hervorragend klettern, muss die Haltungseinrichtung eine Höhe von mindestens 100, besser 150 cm aufweisen. Aquarien sind zur Haltung von Zwergschläfern ungeeignet, da sie über keine Luftzirkulation verfügen und keine ausreichende Höhe aufweisen.

Das Nagarium sollte an einer möglichst ruhigen Stelle ohne Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung stehen. Eine erhöhte Aufstellung des Käfigs erleichtert die Beschäftigung mit den Tieren und schützt sie vor anderen Haustieren. Die Temperatur sollte zwischen 20 und 26 °C liegen. Zwergschläfer reagieren sehr empfindlich auf zu hohe oder zu niedrige Temperaturen und plötzliche Temperaturschwankungen. Bei Temperaturen unter 15 °C können die Tiere in eine lebensbedrohliche Starre verfallen.

Die Einstreuhöhe sollte etwa 5 - 10 cm betragen; geeignet ist Kleintier- oder Hanfeinstreu. Die Einrichtung muss für die kletterfreudigen Tiere die ganze Höhe einbeziehen und sollte so natürlich wie möglich gestaltet werden. Naturäste in verschiedenen Dicken, Ebenen, Rampen, Leitern, Seile und vielfältige Versteckmöglichkeiten (Vogelnistkästen, Korkröhren, Exotennester) können hierzu eingesetzt werden. Als weitere Beschäftigungs- und Nagematerialien können Papierrollen, belaubte Zweige, unbedrucktes Papier oder Karton Verwendung finden. Auch ein tierschutzgerechtes Laufrad mit mind. 20 cm Durchmesser sorgt für zusätzliche Bewegung. Zellstoff oder Heu nehmen die Schläfer gerne für den Nestbau an.

Futter- und Wassergefäße können auf einer erhöhten Ebene standsicher angeboten werden. Es muss darauf geachtet werden, dass alle schweren Einrichtungsgegenstände (z. B. Häuschen) untergrabsicher, d. h. direkt auf der Bodenplatte, angebracht werden.

Laufräder mit offener Sprossenlauffläche, zu kleine oder nicht achsseitig geschlossene Laufräder sowie geschlossene (Plastik-)Käfige ohne ausreichende Belüftung gelten als tierschutzwidrig.

Ernährung

Zwergschläfer sind Gemischtköstler mit einer Vorliebe für Insekten und reifes Obst. Ihr Hauptfutter besteht aus tierischem Eiweiß in Form von Insekten, Katzentrockenfutter, Joghurt oder hartgekochtem Ei sowie täglich frischem, abwechslungsreichem Frischfutter, vor allem süßem Obst (z. B. Äpfel, Bananen, Feigen, Trauben). Gemüse und Kräuter können zusätzlich angeboten werden. Zudem erhalten die Tiere täglich eine Kleinsaaten- oder Wellensittichmischung. Über einen Mineralstein können die Tiere selbständig ihren Bedarf an Mineralstoffen stillen. Sauberes Trinkwasser muss stets zur Verfügung stehen.

Achtung: Bereits kurzzeitiger Futter- oder Wassermangel kann zu Kannibalismus in der Gruppe führen!

Pflege

Die Tiere produzieren verhältnismäßig viel und auch feuchten Kot, der überall abgesetzt wird. Daher ist der Pflegeaufwand nicht zu unterschätzen.

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Kot- und Urinecken müssen täglich, das Gehege und die Einrichtung mindestens einmal wöchentlich gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert werden. Dabei wird auch die Einstreu erneuert. Da sich Zwergschläfer stark über den Geruchssinn orientieren, kann nach der Reinigung ein kleiner Teil der alten Einstreu in den Käfig zurückgegeben werden.

Der allgemeine Gesundheitszustand der Zwergschläfer muss täglich kontrolliert werden. Häufige Krankheitsanzeichen sind Haut- und Fellveränderungen, verletzte Schwänze, Schnupfensymptome, Apathie sowie Durchfall. Bei Auffälligkeiten muss ein kleinsäugererfahrener Tierarzt hinzugezogen werden.

Eingewöhnung und Umgang

Zwergschläfer benötigen zur Eingewöhnung in den ersten Tagen in ihrer neuen Umgebung viel Ruhe. Aufgrund ihrer Schnelligkeit und geringen Größe eignen sich die Tiere nicht für ein Handling oder Freilauf.

Zwergschläfer dürfen nicht am empfindlichen Schwanz festgehalten werden, da dieser brechen oder abreißen kann, und sollten auch möglichst nicht mit der bloßen Hand gefangen werden. Sie können tagsüber vorsichtig mit einer Pappröhre, einem Kescher oder dem gesamten Schlafhaus in eine Transportbox überführt werden.

Für Kinder sind Zwergschläfer nur als Tiere zur Beobachtung geeignet.

Besonderheiten

Eine nächtliche Beobachtung der Zwergschläfer findet am besten unter Rotlicht statt, das die Tiere nicht in ihrer Aktivität stört.