Kleiner Igeltanrek

Die Tenreks oder Tanreks sind sehr ursprünglich Säugetiere, die hauptsächlich in den Wäldern und Halbwüsten von Madagaskar vorkommen. Obwohl derzeit nur 30 Arten bekannt sind, gibt es große äußerliche Unterschiede zwischen den einzelnen Arten: Einige ähneln von ihrem Aussehen Spitzmäusen, Ottern oder Igeln. Zu letzteren gehört auch der in Deutschland häufiger gehaltene Kleine Igeltanrek (Echinops telfairi). Bei genauerer Betrachtung unterscheiden sich der Kleine Igeltanrek und der Igel aber erheblich. So ist der Kleine Igeltanrek beispielsweise schlanker und hat einen spitzeren Kopf, zudem kann er gut klettern. Der kleine Igeltanrek ist nicht für Anfänger geeignet.

Geschlechtsunterschiede

Schwierig, da keine äußerlich sichtbaren Geschlechtsorgane vorhanden sind. Geschlechtsreife Männchen zeigen häufig einen verdickten Augenring und sondern in Anwesenheit von Weibchen weißliches Sekret aus den Augen ab (frühestens ab 3. Lebensmonat).

Verhalten

Igeltanreks sind von Natur aus Einzelgänger und treffen sich nur zur Paarung. Sie können daher einzeln, aber auch paarweise oder im Harem mit einem Männchen und mehreren Weibchen gepflegt werden; Männchen sind untereinander unverträglich. Bei Unverträglichkeiten müssen die Tiere sofort getrennt werden.

Kleine Igeltanreks sind überwiegend nachtaktiv; sie suchen tagsüber Schutz in kleinen Höhlen und unter Laub.

Verhaltensgerechte Unterbringung

Für ein bis zwei der kletterfreudigen Tiere sollte das Terrarium mindestens eine Grundfläche von 1 m2 bei einer Höhe von mindestens 1 m aufweisen. Das Terrarium sollte an einer möglichst ruhigen Stelle ohne Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung stehen. Eine erhöhte Aufstellung erleichtert die Beschäftigung mit den Tieren und schützt sie vor anderen Haustieren.

Das Terrarium muss gut strukturiert sein und eine Vielzahl von Rückzugsmöglichkeiten aufweisen. Neben Holzhäuschen eignen sich hierfür ausreichend dimensionierte Korkröhren. Klettermöglichkeiten (Rindenstücke, dickere Äste) und auch ein Sandbad werden von den Tieren gerne genutzt. Als Bodengrund bietet sich weiche Kleintier- oder Hanfeinstreu an, die mit getrocknetem Laub bedeckt werden kann.

Besonders wichtig für die Haltung ist die Berücksichtigung der klimatischen Ansprüche. Tanreks sind im Gegensatz zu anderen Säugetieren nämlich nur eingeschränkt in der Lage, ihre Körpertemperatur konstant zu halten und fallen bei widrigen klimatischen Umständen in eine Torpor genannte Starre, die lebensbedrohlich sein kann. Kleine Igeltanreks benötigen eine Durchschnittstemperatur von 24 bis 28 °C, lokal bis 35 °C.

Daher wird in den Sommermonaten (März bis Oktober) eine zusätzliche Wärmequelle – beispielsweise eine schwache Heizmatte und/oder ein Spotstrahler – benötigt, um jederzeit punktuell geeignete Temperaturen anzubieten. Die Wärmequellen sind so zu installieren, das von ihnen keine Verletzungs- u./o. Verbrennungsgefahr ausgehen kann. Zwischen Oktober und März ziehen sich die Tiere zur Winterruhe zurück. Die Temperatur sollte in dieser Zeit allmählich auf 18 bis 20 °C abgesenkt werden. Zu hohe oder zu niedrige Temperaturen während dieser Phase können den Tieren schaden. 

Ernährung

Die Hauptnahrung von Igeltanreks besteht aus Insekten und kleinen Wirbeltieren (neugeborene Mäuse etc.). Insekten, wie Heuschrecken, Grillen, Zophobalarven, Heimchen oder (in geringerer Menge) Mehlwürmer, können lebend oder getrocknet angeboten werden können. Auch hochwertiges Katzentrocken- oder -naßfutter nehmen die Tiere häufig an. Manche Exemplare fressen gerne süßes Obst; allerdings darf dieses nur in geringen Mengen (max. 10 % der Gesamtfuttermenge) gereicht werden, da ein Übermaß zu Durchfällen führen kann.

Das Futter sollte regelmäßig mit einem Vitamin-Mineral-Pulver aufgewertet werden. Auch die gelegentliche Gabe von Regenwürmern, kleinen Gehäuseschnecken, hartgekochten Eiern und Babymäusen ist möglich.

Sauberes Trinkwasser muss stets zur Verfügung stehen, auch in den Ruhephasen, ebenso wie Trockenfutter.

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Kot- und Urinecken müssen täglich, das Gehege und die Einrichtung mindestens einmal wöchentlich gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert werden. Dabei wird auch die Einstreu komplett erneuert. Der allgemeine Gesundheitszustand der Tiere muss täglich, das Gewicht möglichst wöchentlich kontrolliert werden.

Häufige Krankheitsanzeichen bei Igeltanreks sind Haut- und Fellveränderungen, Schnupfensymptome (aber weißlicher Augenausfluss beim Männchen ist in Anwesenheit von Weibchen normal), Durchfall, Futterverweigerung, Abmagerung, Apathie und Bewegungsstörungen. Bei Auffälligkeiten sollte ein tanrekerfahrener Tierarzt hinzugezogen werden.

Eingewöhnung und Umgang

In den ersten Tagen benötigen die Tiere viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Igeltanreks rollen sich zum Schutz vor Fressfeinden ähnlich wie Igel zu einer Kugel zusammen, werden dem Halter gegenüber aber häufig zahm. Ein Füttern aus der Hand sollte jedoch unterbleiben, da die Tiere dabei empfindlich zubeißen können.

Zum Hochheben nimmt man aufgerollte Tiere vorsichtig mit Schutzhandschuhen auf; zahme Igeltanreks können mit einer Hand vorsichtig von unten gefasst werden.

Besonderheiten

Der Kleine Igeltanrek unterliegt in Deutschland nicht dem Artenschutzrecht. Die selten angebotenen, empfindlichen Streifentanreks ernähren sich fast ausschließlich von Regenwürmern und sind für den normalen Privathalter nicht geeignet.