Mongolische Rennmaus

Die Mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus), häufig auch als Wüstenrennmaus oder (fälschlicherweise) Gerbil bezeichnet, kommt ursprünglich in den kargen Steppen und Halbwüsten Asiens vor. Die meiste Zeit verbringen die Tiere in ihrem unterirdischen Bau, der gegen Artgenossen vehement verteidigt wird. Mongolische Rennmäuse werden seit etwa 80 Jahren gezüchtet und sind inzwischen in unterschiedlichen Fellfarben verbreitet.

Geschlechtsunterschiede

Der Abstand zwischen Geschlechtsöffnung und After ist bei der männlichen Mongolischen Rennmaus deutlich größer als beim Weibchen. Zudem sind bei erwachsenen Männchen die Hoden gut zu erkennen.

Verhalten

Mongolische Rennmäuse bewohnen in der Natur als Paar mit ihren Jungen einen Bau. Sie brauchen einen Artgenossen zum Spielen sowie zur gegenseitigen Fellpflege und dürfen daher nicht allein gehalten werden. Da in größeren Gruppen häufig Unverträglichkeiten auftreten, ist die Haltung eines Paares (mit kastriertem Männchen) oder von zwei (oder mehr) Tieren eines Geschlechts empfehlenswert. Mongolische Rennmäuse sollten bereits als Jungtiere vergesellschaftet werden. Die Vergesellschaftung geschlechtsreifer Tiere gestaltet sich häufig sehr schwierig und kann in tödlichen Kämpfen enden; sie sollte daher erfahrenen Haltern überlassen bleiben. Eine – selbst kurzzeitige – Trennung der Tiere, beispielweise während eines Tierarztbesuches, sollte unterbleiben, da dies bei der erneuten Vergesellschaftung zu Problemen führen kann.

Mongolische Rennmäuse zeigen kurze Aktivitätsphasen rund um die Uhr. Die neugierigen Tiere erkunden dabei immer wieder intensiv ihr Revier. Diesen Phasen folgen dann ausgiebige Ruhephasen in den selbstgebauten Nestern und Bauen. 

Verhaltensgerechte Unterbringung

Für zwei Mongolische Rennmäuse eignet sich ein Aquarium von mindestens 100 x 50 x 50 cm (Länge x Breite x Höhe) mit einem zusätzlichen Gitteraufsatz (Gitterabstand ca. 0,8 cm) von mindestens 30 cm Höhe oder ein entsprechend dimensioniertes Nagerterrarium. Reine (Gitter-)Käfige sind ungeeignet, da keine ausreichende Einstreuhöhe möglich ist.

Das Gehege sollte an einem möglichst ruhigen Ort, ohne Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung, stehen. Eine erhöhte Aufstellung des Käfigs erleichtert die Beschäftigung mit den Tieren und schützt sie vor anderen Haustieren. Die Temperaturen sollten zwischen 18 und 24 °C liegen. Mongolische Rennmäuse reagieren besonders empfindlich auf sehr niedrige oder zu hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit.

Zum Graben und Anlegen von Gängen benötigen die Mongolischen Rennmäuse eine Einstreu von mindestens 20, besser 40 cm Höhe. Eine Mischung aus staubarmer Kleintierstreu mit Stroh, Heu, Blättern, Ästen und ggf. Röhren (z.B. Karton, Kork) ist hierfür besonders gut geeignet. Mongolische Rennmäuse entwickeln Verhaltensstörungen, wenn sie sich nicht an absolut dunkle Stellen zurückziehen können. Typisch hierfür ist andauerndes "Graben" auf blankem Boden. Eine hohe Einstreu, Schlafhäuschen mit einer Eingangsröhre sowie kein Lichteinfall von unten bieten den Tieren die erforderliche Dunkelheit.

Die Einrichtung sollte dreidimensional angelegt sein und ausreichend Ebenen bieten. Rückzugsmöglichkeiten (z.B. Holzhäuschen und Röhren) sowie Beschäftigungs- und Nagematerialien in Form von Naturästen (keine Nadelhölzer), getrockneten Gräsern und Karton erhöhen das Wohlbefinden. Heu und weicher Zellstoff werden gerne zum Nestbau genutzt. Ein Sandbad mit weichem Sand dient der Fellpflege und dem Erhalt des Gruppengeruchs.

Futter- und Wassergefäße sowie das Sandbad werden auf einer erhöhten Ebene standsicher angeboten. Schwere Einrichtungsgegenstände müssen untergrabsicher, beispielsweise direkt auf der Bodenplatte, positioniert werden. Ein Laufrad (mit mind. 30 cm Durchmesser) oder ein Laufteller werden gerne genutzt. Laufräder mit offener Sprossenlauffläche sowie zu kleine oder achsseitig nicht geschlossene Laufräder gelten als tierschutzwidrig.

Ernährung

Mongolische Rennmäuse ernähren sich in erster Linie von trockenen Gräsern, Grassamen, Kräutern, Wurzeln und Insekten. Ihr Hauptfutter sollte daher aus fettarmen Samenmischungen mit einem geringen Getreideanteil bestehen. Zudem sollte täglich eine kleine Menge zuckerarmes Frischfutter (z. B. Gurke, Paprika, Zucchini, Wiesenkräuter, KEIN Obst), angeboten werden. Tierisches Eiweiß wird gelegentlich in Form von z.B. getrockneten Insektenlarven oder Katzentrockenfutter angeboten. Fetthaltige Sämereien, wie Sonnenblumenkerne oder Nüsse, dürfen nur vereinzelt in sehr kleiner Menge gegeben werden. Zucker- und fetthaltige Leckerlis, wie Joghurtdrops, Nagergebäck und Ähnliches sind nicht zu empfehlen. Sauberes Trinkwasser muss stets zur Verfügung stehen.

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße müssen täglich gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert werden. Mongolische Rennmäuse sind ansonsten wenig pflegeintensiv, da sie im Vergleich zu anderen Kleinsäugerarten nur wenig Urin absetzen. Zu den weiteren täglichen Aufgaben zählt die Entfernung von verschmutzter Einstreu und nicht gefressenem Frischfutter.

Da Mongolische Rennmäuse Gangsysteme anlegen und sich stark über den Geruchssinn orientieren, sollte immer nur ein Teil der Einstreu ausgetauscht werden und der andere Teil erhalten bleiben. Es empfiehlt sich daher, im wöchentlichen Wechsel jeweils ein Drittel bis maximal die Hälfte der Einstreu zu erneuern, so dass ein Teil der Kammern und Gänge erhalten bleibt.

Der allgemeine Gesundheitszustand der Mongolischen Rennmäuse muss täglich, das Gewicht möglichst wöchentlich kontrolliert werden. Häufige Krankheitsanzeichen bei Mongolischen Rennmäusen sind Apathie, Gewichtsverlust, verändertes Fress- und Trinkverhalten, Haut- und Fellveränderungen (oft im Bereich der Bauchdrüse), Verletzungen sowie Durchfall. Bietet die Einrichtung nicht genügend Abwechslung, neigen Rennmäuse zu Verhaltensstörungen (Stereotypien), bspw. stundenlangem Graben in einer Ecke, Gitternagen oder Aggressivität. Bei Auffälligkeiten muss der Tierarzt hinzugezogen werden.

Eingewöhnung und Umgang

Mongolische Rennmäuse sind recht neugierig, benötigen jedoch in den ersten Tagen in ihrer neuen Umgebung noch viel Ruhe. Danach kann der Halter über Leckerbissen Kontakt zu den Tieren aufnehmen und ihr Vertrauen gewinnen. Ein kontrollierter Freilauf in der Wohnung ist bei zahmen Exemplaren möglich. Dabei müssen sie vor allen potenziellen Gefahrenquellen, wie beispielsweise Elektrokabeln, Zimmerpflanzen oder anderen Haustieren, geschützt sowie das Nageverhalten der Tiere und deren Geschick, auch in kleinsten Lücken zu verschwinden, berücksichtigt werden. Bei Gefahr können die Mongolischen Rennmäuse sehr weit springen!

Mongolische Rennmäuse lassen sich aufnehmen, indem man mit beiden Händen eine Höhle bildet oder sie in ein Transportgefäß treibt. Die Tiere dürfen nicht an Schwanz und Pfoten festgehalten werden, da die Haut abreißen kann! Für Kinder sind Rennmäuse erst ab etwa 10 Jahren unter Anleitung der Eltern geeignet.

Sonstiges

 

 

Besonderheiten

Es gibt verschiedene Scheckungen bei Mongolischen Rennmäusen, die z.T. zu nicht lebensfähigen Nachzuchten führen. Manche Zuchtlinien sind anfällig für Epilepsie und gelten daher als Qualzuchten.