BNA/Hirt

Afrikanische Skinke

Skinke oder Glattechsen (Scincidae) stellen mit über 1.500 Arten die größte Familie innerhalb der Echsen dar. Charakteristisch für die meisten Skinke sind ein runder, walzenförmiger Körper, der übergangslos in den Hals übergeht sowie kleine, glatte Schuppen. Die meisten Arten sind bodenlebend und besitzen vergleichsweise kurze Beine. Es gibt aber auch baumlebende Vertreter sowie unterirdisch lebende Arten, denen die Beine komplett fehlen. Zu den häufig angebotenen, hauptsächlich bodenbewohnenden Arten gehören u. a. der Apothekerskink (Scincus scincus), der Afrikanische Blauschwanzskink (Trachylepis quinquetaeniata) und der Pracht- oder Feuerskink (Lepidothyris fernandi). Die genannten Arten unterliegen in Deutschland nicht dem Artenschutzrecht. Auf den Kauf von Wildfängen sollte zugunsten von Nachzuchten stets verzichtet werden.

Geschlechtsunterschiede

Abhängig von der Art schwierig oder gar nicht zu erkennen (z. B. Apothekerskinke). Bei einigen Arten sind geschlechtsreife Männchen prächtiger gefärbt.

Verhalten

Skinke sind meist nachtaktiv; auch die tagaktiven Arten leben häufig sehr versteckt. Bei vielen Arten können die Tiere einzeln, paarweise oder in kleinen Harems (ein Männchen mit 2 - 4 Weibchen) gehalten werden. Männliche Tiere sind untereinander meist unverträglich. Treten bei einer Vergesellschaftung Aggressionen auf, müssen die Tiere unverzüglich und erfahrungsgemäß dauerhaft getrennt werden!

Verhaltensgerechte Unterbringung

Die Mindestmaße für ein Terrarium für Skinke der genannten bodenlebenden Arten werden in Abhängigkeit von der Kopf-Rumpf-Länge (KRL, ohne Schwanz) der Tiere angegeben und betragen für 2 Tiere die 6fache KRL x 4fache KRL x 3fache KRL (L x B x H). So sollte ein Terrarium für bis zu zwei Apothekerskinke mindestens die Maße 80 x 50 x 40 cm besitzen. Für jedes weitere Tier muss die Grundfläche um 15 % vergrößert werden.

Als wechselwarme Tiere benötigen Skinke ein Temperaturgefälle im Terrarium, das es ihnen ermöglicht, ihre optimale Körpertemperatur zu erreichen. Idealerweise werden hierfür die natürlichen Bedingungen mit hellen Sonnenplätzen und kühleren Schattenzonen im Terrarium imitiert. Zu diesem Zweck wird auf einer Seite des Terrariums ein leistungsstarker Wärmestrahler mit UV-Bestandteilen installiert, der lokal begrenzt eine starke Erwärmung auf 35 - 40 °C gewährleistet. Die übrigen Bereiche können eine Temperatur von 24 - 28 °C aufweisen. In der Nacht sollte die Temperatur im Terrarium bei den meisten Arten leicht sinken. Die Grundtemperatur kann über die Raumtemperatur oder mit Heizmatten erzeugt werden. Heizmatten sollten immer außerhalb des Terrariums installiert werden und maximal ein Drittel der Bodenfläche erwärmen; mithilfe eines Thermocontrollers kann die gewünschte Temperatur eingestellt werden.

Die Luftfeuchtigkeit sollte bei etwa 60 % liegen, der Feuerskink benötigt eine höhere Luftfeuchtigkeit (bis 80%). Diese kann durch Besprühen des Terrariums mit lauwarmem Wasser oder den Einsatz einer Beregnungsanlage erzielt werden. Zur Messung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind präzise Thermo- und Hygrometer erforderlich.

Die Beleuchtungsdauer sollte 10 - 14 Stunden betragen. Da die Leuchtmittel mit der Zeit immer weniger UV-Strahlung abgeben (s. Herstellerhinweise), müssen diese regelmäßig ausgetauscht werden. Die Beleuchtung muss unerreichbar für die Skinke angebracht sein (Achtung: Normales Glas ist UV-B-undurchlässig!) oder die Tiere müssen durch einen engmaschigen Gitterkorb vor Verbrennungen geschützt werden.

Als Bodengrund eignet sich - mit Ausnahme des Apothekerskinkes - Terrarienerde oder Kokossubstrat, welches stets leicht feucht gehalten werden muss. Wichtig sind zudem viele Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten in Form von Korkröhren, Rindenstücken, Steinen und Wurzeln. Eine natürliche Bepflanzung schafft zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten und sorgt für gleichmäßig erhöhte Luftfeuchtigkeit. Auch viele bodenbewohnende Skinke klettern gerne. Hierfür sollten 2, besser 3 Seiten des Terrariums mit Kork o. ä. verkleidet sein. Als zusätzliche Einrichtung haben sich senkrechte Klettermöglichkeiten und waagrechte Liegeflächen wie Wurzeln, Äste etc. bewährt. Eine flache Wasserschale gehört ebenfalls zur Grundausstattung.

Apothekerskinke sind rein bodenbewohnend und lassen sich gut in einem Terrarium mit Sandboden und untergrabsicheren Steinaufbauten pflegen. Die Höhe des Substrats sollte bei grabenden Arten mindestens der Kopfrumpflänge entsprechen, also z. B. beim Apothekerskink mindestens 15 cm betragen.

 

 

Ernährung

Die genannten Arten ernähren sich in der Natur hauptsächlich von kleinen Wirbellosen. Als tierisches Futter eignen sich lebende Insekten (Grillen, Heimchen, kleine Heuschrecken, Schaben etc.), welche mit einem Mineralstoffpräparat bestäubt werden, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Mehlwürmer oder Wachsmotten dürfen wegen des hohen Fettgehaltes nur sparsam verfüttert werden, da insbesondere Apothekerskinke dazu neigen, sich mit Mehlwürmern zu überfressen.

Frisches Wasser muss ständig zur Verfügung stehen. Jungtiere sollten täglich gefüttert werden; bei erwachsenen Exemplaren sind 2 - 3 Fütterungen in der Woche ausreichend. Viele Tiere fressen zudem gerne weiches, reifes Obst bzw. Fruchtbrei, die gut mit Vitaminen und Mineralien angereichert werden können. Hier muss auf strikte Hygiene Wert gelegt werden, da diese Futtermittel rasch verderben.

Pflege

Futterreste, Häutungen und Kot müssen täglich entfernt werden. Wasserschüsseln sollten ebenfalls täglich gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Häufig bei Skinken auftretende Gesundheitsprobleme sind Hautmilben, Abmagerung, Verletzungen des Schwanzes, Kotveränderungen und Knochenerweichung. Bei Auffälligkeiten muss ein reptilienkundiger Tierarzt hinzugezogen werden. Einmal jährliche Kotuntersuchungen auf Endoparasiten sind empfehlenswert.

Zur Darmflora von Skinken gehören häufig auch Salmonellen, welche für die Tiere harmlos sind, aber beim Menschen zu Erkrankungen führen können. Durch Hygienemaßnahmen (gründliches Händewaschen o. ä.) kann eine Ansteckung vermieden werden.

Eingewöhnung und Umgang

In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Tiere entsprechend Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Reptilen sind reine Beobachtungs- und KEINE Streicheltiere!

Die Tiere sollten nur bei Bedarf gefangen werden. Dies geschieht bei Jungtieren am einfachsten mit einem Gefäß oder Kescher. Größere Tiere können mit der bloßen Hand hinter dem Kopf ergriffen werden. Grundsätzlich dürfen Echsen niemals am Schwanz gehalten oder fixiert werden.

Besonderheiten

Manche Skinke können bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen; daher muss man beim Fang höchste Vorsicht walten lassen und darf die Tiere niemals am Schwanz fassen.

Bodenlebende Arten bewegen sich meist - ähnlich wie Schlangen - mit wellenförmigen Bewegungen fort.

Auch andere Vertreter der Skinke, wie die südostasiatischen Orangekehlskinke (Mabuya macularia) oder Vielstreifenskinke (Mabuya [Eutropis] multifasciata), werden regelmäßig angeboten. Ihre Haltungsbedingungen unterscheiden sich teils deutlich von den beschriebenen Arten.