BNA/Hirt

Dünnfinger- & Zwergwüstengeckos

Verschiedene Arten der nordafrikanischen Dünnfingergeckos (Stenodactylus) und Zwergwüstengeckos (Tropiocolotes) werden häufig gehalten. Hierzu gehören der am häufigsten angebotene Dünnfingergecko (S. sthenodactylus) sowie Petris Dünnfingergeckos (S. petrii) und die Zwergwüstengeckos (T. tripolitanus und T. steudneri). Auf den Kauf von Wildfängen sollte zugunsten von Nachzuchten stets verzichtet werden. Die genannten Arten unterliegen in Deutschland nicht dem Artenschutz.

Geschlechtsunterschiede

Geschlechtsreife Männchen besitzen eine verdickte Schwanzbasis.

Verhalten

Die genannten Arten sind vorwiegend nachtaktiv, kommen aber nach der Eingewöhnung auch tagsüber zur Nahrungssuche aus ihrem Versteck.

Die Tiere können einzeln, im Harem (ein Männchen mit mehreren Weibchen) oder Weibchengruppen gehalten werden. Männliche Tiere sind untereinander unverträglich. Treten bei einer Vergesellschaftung Aggressionen auf, müssen die Tiere unverzüglich und erfahrungsgemäß dauerhaft getrennt werden! 

Verhaltensgerechte Unterbringung

Für eine kleine Gruppe Zwergwüstengeckos sollte das Terrarium mindestens die Maße 50 x 30 x 40 cm (L x B x H) aufweisen; für eine Gruppe Dünnfingergeckos mindestens 60 x 40 x 40 cm, um die notwendigen klimatischen Verhältnisse bieten zu können.

Als wechselwarme Tiere benötigen Geckos ein Temperaturgefälle im Terrarium, das es ihnen ermöglicht, ihre optimale Körpertemperatur zu erreichen. Idealerweise werden hierfür die natürlichen Bedingungen mit hellen Sonnenplätzen und kühleren Schattenzonen im Terrarium imitiert. Zu diesem Zweck wird auf einer Seite des Terrariums ein Wärmestrahler mit UV-Bestandteilen installiert, der lokal begrenzt eine Erwärmung auf etwa 35 - 40 °C gewährleistet. Die restlichen Bereiche sollten eine Temperatur von 25 - 30 °C aufweisen. In der Nacht kann die Temperatur im Terrarium auf 20 - 22 °C sinken. Die Grundtemperatur kann über die Raumtemperatur oder mit Heizmatten erzeugt werden. Heizmatten sollten immer außerhalb des Terrariums installiert werden und maximal ein Drittel der Bodenfläche erwärmen; mithilfe eines Thermocontrollers kann die gewünschte Temperatur eingestellt werden.

Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 30 - 40 % liegen und kann nachts auf bis zu 60 % ansteigen. Sie kann durch Besprühen des Terrariums mit lauwarmem Wasser oder den Einsatz einer Beregnungsanlage erzielt werden. Wichtig: In einem kleinen Bereich des Terrariums sollte der Bodengrund immer leicht feucht sein. Zur Messung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind präzise Thermo- und Hygrometer erforderlich.

Die Beleuchtungsdauer sollte 10 - 14 Stunden betragen. Da die Leuchtmittel mit der Zeit immer weniger UV-Strahlung abgeben (s. Herstellerhinweise), müssen diese regelmäßig ausgetauscht werden. Die Beleuchtung muss unerreichbar für die Tiere angebracht sein (Achtung: Normales Glas ist UV-B-undurchlässig!) oder die Tiere müssen durch einen engmaschigen Gitterkorb vor Verbrennungen geschützt werden.

Als Einrichtung haben sich stabile Felsaufbauten (auch Imitate), Wurzeln und/oder Äste bewährt. Die Einrichtung muss sicher im Terrarium installiert sein, damit sich die Tiere beispielsweise durch Untergraben nicht verletzen können. Des Weiteren gehören mehrere Versteckmöglichkeiten (flache Steine, dünne Korkröhren, Höhlen) und ein flacher Wassernapf, in dem die Tiere auch baden können, zur Grundausstattung. Als Bodengrund eignet sich ein staubfreies Sand-/Lehmgemisch, das an mindestens einer Stelle des Terrariums 10 cm hoch sein sollte, damit die Tiere wie in der Natur Gänge graben können.

 

 

Ernährung

Wüstengeckos ernähren sich in der Natur von kleinen Insekten und anderen Wirbellosen. Geeignet sind kleine (sogn. Mikro-)Heimchen oder Grillen, Fruchtfliegen etc., welche mit einem Mineralstoffpräparat bestäubt werden, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Mehlwürmer oder Wachsmotten dürfen wegen des hohen Fettgehaltes nur sparsam verfüttert werden. Frisches Wasser muss ständig zur Verfügung stehen. Jungtiere und Zwergwüstengeckos generell sollten täglich gefüttert werden; bei erwachsenen Dünnfingergeckos sind 2 - 3 Fütterungen in der Woche ausreichend.

Pflege

Futterreste, Häutungen und Kot müssen täglich entfernt werden. Wasserschüsseln sollten ebenfalls täglich gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Häufig auftretende Gesundheitsprobleme sind Hautmilben, Abmagerung und Knochenerweichung. Bei Auffälligkeiten muss ein reptilienkundiger Tierarzt hinzugezogen werden. Einmal jährliche Kotuntersuchungen auf Endoparasiten sind empfehlenswert.

Zur Darmflora von Reptilien gehören häufig auch Salmonellen, welche für die Tiere harmlos sind, aber beim Menschen zu Erkrankungen führen können. Durch Hygienemaßnahmen (gründliches Händewaschen u. ä.) kann eine Ansteckung vermieden werden.

Eingewöhnung und Umgang

Reptilen sind reine Beobachtungs- und KEINE Streicheltiere! In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Tiere entsprechend Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen.

Die Tiere sollten nur bei Bedarf gefangen werden. Um Verletzungen zu vermeiden, geschieht dies am einfachsten mit einem Gefäß oder Kescher. Grundsätzlich dürfen Echsen niemals am Schwanz gehalten oder fixiert werden.

Besonderheiten

Wüstengeckos führen in der Natur eine Winterruhe durch, während der die Tiere träge sind und i. d. R. kein Futter aufnehmen. Zur gezielten Überwinterung kann die Beleuchtungsdauer im Herbst stufenweise bis zum Ausschalten reduziert werden. Nach 1 - 2 Monaten eigentlicher Winterruhe bei Temperaturen um 18 - 20 °C wird die Beleuchtungsdauer wiederum stufenweise verlängert. Vor Beginn der Winterruhe sollte der Gesundheitszustand der Tiere mittels einer tierärztlichen Kotuntersuchung kontrolliert werden.