Erdchamäleon

Bei den Erd- oder Stummelschwanzchamäleons handelt es sich um kleine, meist unscheinbar braun, grau oder grün gefärbte Vertreter der Chamäleons aus dem tropischen Ostafrika. Die Arten sind für den Laien nur schwer unterscheidbar. Häufig werden Wildfänge von Rieppeleon brevicaudatus und R. kerstenii, aber auch verschiedene Arten der Gattung Rhampholeon angeboten. Verschiedene Arten werden inzwischen auch regelmäßig nachgezüchtet und diese Nachzuchten sollten stets bevorzugt erworben werden. Die Tiere stellen hohe Ansprüche an die Haltung und sind nicht für Einsteiger in die Terraristik geeignet! Die madagassischen Vertreter der Gattung Brookesia sind noch empfindlicher und sollten Spezialisten vorbehalten bleiben.

Auf der 17. CITES-Vertragsstaatenkonferenz im Herbst 2016 wurden aller Arten der Gattungen Rhampholeon und Rieppeleon unter Artenschutz (Anhang II) gestellt. Diese Regelung wird in Kürze in europäisches Recht überführt (Meldepflicht, Herkunftsnachweise erforderlich).

Geschlechtsunterschiede

Männchen besitzen eine verdickte Schwanzwurzel.

Verhalten

Die tagaktiven Erdchamäleons sind Einzelgänger und können nur in gut strukturierten, ausreichend großen Terrarien paarweise gepflegt werden. Die Tiere müssen dabei in der Lage sein, dauernden Sichtkontakt mit Artgenossen zu vermeiden. Bei der Einzelhaltung empfiehlt sich die Pflege eines Männchens.

Verhaltensgerechte Unterbringung

Die Mindestmaße für das Terrarium werden in Abhängigkeit von der Kopf-Rumpf-Länge (KRL, ohne Schwanz) der Tiere berechnet und betragen für Erdchamäleons die 4fache KRL x 4fache KRL x 2,5fache KRL (L x B x H), also beispielsweise 30 x 30 x 20 cm für ein erwachsenes Tier. Im Interesse der Tiere und für eine funktionierende Temperaturgestaltung sollten die Terrarien aber größer sein (z.B. 60 x 30 x 40 cm).

Als wechselwarme Tiere benötigen Erdchamäleons ein Temperaturgefälle im Terrarium, das es ihnen ermöglicht, ihre optimale Körpertemperatur zu erreichen. Idealerweise werden hierfür die natürlichen Bedingungen mit hellen Sonnenplätzen und kühleren Schattenzonen im Terrarium imitiert. Zu diesem Zweck wird auf einer Seite des Terrariums ein Wärmestrahler mit UV-Bestandteilen installiert, der lokal begrenzt eine leichte Erwärmung auf etwa 25 °C, maximal bis 28 °C gewährleistet. Die übrigen Bereiche können eine Temperatur von 20 - 23 °C aufweisen. In der Nacht muss die Temperatur im Terrarium deutlich unter 20 °C absinken. Ohne diese notwendige Nachtabsenkung ist eine dauerhaft erfolgreiche Haltung von Erdchamäleons nicht möglich!

Die Luftfeuchtigkeit sollte bei etwa 60 bis 70 % liegen und darf kurzzeitig auf über 90 % ansteigen. Dies kann durch Besprühen des Terrariums mit lauwarmem Wasser oder den Einsatz einer Beregnungsanlage erzielt werden. Der Bodengrund des Terrariums sollte immer leicht feucht, aber nicht nass sein. Zur Messung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind präzise Thermo- und Hygrometer erforderlich.

Die Beleuchtungsdauer sollte 10 - 14 Stunden betragen. Da die Leuchtmittel mit der Zeit immer weniger UV-Strahlung abgeben (s. Herstellerhinweise), müssen diese regelmäßig ausgetauscht werden. Die Beleuchtung muss unerreichbar für die Chamäleons angebracht sein (Achtung: Normales Glas ist UV-B-undurchlässig!) oder die Tiere durch einen Gitterkorb vor Verbrennungen geschützt werden.

Da Chamäleons ein hohes Frischluftbedürfnis besitzen, sind großflächige Belüftungsflächen (möglichst die komplette Oberseite des Terrarium sowie eine Seitenwand vergittert) von hoher Bedeutung. Alternativ bietet sich die Pflege in Gazeterrarien an. Nach dem Sprühen muss das Terrarium innerhalb weniger Stunden weitgehend abtrocknen können; Staunässe wird nicht vertragen.

Für die scheuen Tiere sollten die nicht als Belüftungsflächen dienenden Seiten- und Rückwände des Terrariums mit Kork o. ä. verkleidet sein. Erdchamäleons halten sich meist in der bodennahen Laubschicht auf und sollten hier eine Vielzahl von Kletter- und Versteckmöglichkeiten vorfinden. Getrocknetes Laub, Kork, Wurzeln, dünne Äste, Lianen etc. haben sich als Einrichtung bewährt. Als Bodengrund eignet sich Rindenmulch oder anderer saugfähiger Terrarienbodengrund (kein Sand), welcher stets leicht feucht gehalten werden sollte.

Bei der Haltung eines Weibchens muss die Höhe des Bodengrunds mindestens 10 cm betragen, da das Tier auch unverpaart (Wachs-)Eier produziert und es bei fehlenden Eiablageplätzen zu einer lebensbedrohlichen Legenot kommen kann. Eine natürliche Bepflanzung schafft zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten und sorgt für gleichmäßig erhöhte Luftfeuchtigkeit.

Ernährung

Erdchamäleons ernähren sich ausschließlich von kleinen Wirbellosen. Als Futter eignen sich kleine, lebende Insekten (kleine Grillen, Heimchen, Fruchtfliegen etc.), welche mit einem Mineralstoffpräparat bestäubt werden, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Es sollten jedoch nur so wenige Futtertiere zugesetzt werden, wie innerhalb eines Tages erbeutet werden können; ansonsten besteht die Gefahr, dass die kleinen Chamäleons nachts von Grillen u. ä. angefressen werden.

Jungtiere sind sehr schnellwüchsig und benötigen daher hohe Futtermengen sowie eine gute Versorgung mit Calcium und UVB-Licht. Sie sollten täglich gefüttert werden; bei erwachsenen Exemplaren sind 2 - 3 Fütterungen in der Woche ausreichend. Mehlwürmer oder Wachsmotten dürfen wegen des hohen Fettgehaltes nur sparsam verfüttert werden. Frisches Wasser muss ständig zur Verfügung stehen; da Chamäleons aber meist nicht aus stehendem Wasser trinken, empfiehlt sich die Installation einer Tropftränke im Terrarium oder das tägliche Besprühen der Einrichtung.

Pflege

Futterreste und Schmutz müssen täglich entfernt werden.

Der Gesundheitszustand muss täglich kontrolliert werden. Erdchamäleons zeigen ihr Unwohlsein durch eine sehr dunkle Färbung an. Häufig bei Chamäleons auftretende Gesundheitsprobleme sind eingefallene Augen, Abmagerung, Hautveränderungen und Knochenerweichung. Bei Auffälligkeiten muss ein reptilienkundiger Tierarzt hinzugezogen werden. Einmal jährliche Kotuntersuchungen auf Endoparasiten sind empfehlenswert.

Zur Darmflora von Chamäleons gehören häufig auch Salmonellen, welche für die Tiere harmlos sind, aber beim Menschen zu Erkrankungen führen können. Durch einfache Hygienemaßnahmen (gründliches Händewaschen u. ä.) kann eine Ansteckung zuverlässig vermieden werden.

Eingewöhnung und Umgang

Reptilen sind reine Beobachtungs- und KEINE Streicheltiere! In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Tiere entsprechend Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen.

Erdchamäleons sind sehr stressempfindlich; die Tiere sollten daher nur bei Bedarf gefangen werden. Dies geschieht am einfachsten mit einem Gefäß.

 

 

Besonderheiten

Reptilen sind reine Beobachtungs- und KEINE Streicheltiere! In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Tiere entsprechend Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen.

Erdchamäleons sind sehr stressempfindlich; die Tiere sollten daher nur bei Bedarf gefangen werden. Dies geschieht am einfachsten mit einem Gefäß.