Königsboa

Die Königsboa oder Abgottschlange (Boa constrictor) ist eine in mehreren Unterarten von Süd- bis Mittelamerika verbreitete Riesenschlange. In Menschenobhut werden diverse Unterarten, Lokalformen sowie Kreuzungen und Farbvarianten gezüchtet, am häufigsten die beiden Unterarten Rotschwanzboa (B. c. constrictor) und Kaiserboa (B. c. imperator). Auch Wildfänge sind noch im Handel anzutreffen. Nach Möglichkeit sollte auf Nachzuchten zurückgegriffen werden. Abgottschlangen unterliegen in Deutschland dem Artenschutzrecht. Die beiden genannten Unterarten sind zwar nicht meldepflichtig; ein Herkunftsnachweis ist aber Pflicht für den Halter. In einigen Bundesländern ist die Haltung von Königboas durch Vorschriften zur Haltung sogenannter „potenziell gefährlicher Tiere“ reglementiert.

Geschlechtsunterschiede

Die Geschlechtsbestimmung anhand äußerlicher Merkmale ist schwierig. Männchen besitzen längere Aftersporne; Weibchen werden meist größer und schwerer. Weitere Methoden zur Geschlechtsbestimmung wie „Poppen“ und Sondieren sollten aufgrund der Verletzungsgefahr nur von einem reptilienkundigen Tierarzt durchgeführt werden.

Verhalten

Königsboas sind Einzelgänger, lassen sich aber meist problemlos vergesellschaften, wenn darauf geachtet wird, dass die Tiere ungefähr gleich groß sind. Königsboas sind lebendgebärend. Die Eier werden vom Weibchen nicht – wie sonst üblich bei Schlangen – abgelegt, sondern verbleiben bis zum Schlüpfen der Jungen im Mutterleib. Die Wurfgröße kann bei großen Weibchen bei bis zu 60 Jungen liegen. Falls keine Zucht geplant bzw. gewünscht ist, sollten die Tiere daher nur einzeln oder in gleichgeschlechtlichen Gruppen gehalten werden. Da derzeit ein Überangebot an Kaiserboas herrscht und sich für die Jungtiere kaum mehr Abnehmer finden, sollten die Tiere nur verpaart werden, wenn sichere Abnehmer für die Jungtiere vorhanden sind.

Königsboas sind dämmerungs- und nachtaktiv, haben aber auch tagaktive Phasen.

Verhaltensgerechte Unterbringung

Für die Haltung ein bis zwei erwachsener Tiere sollte das Terrarium eine Größe von mindestens 250 x 100 x 200 cm besitzen. Für Tiere mit einer Körpergröße über 2 m sind noch größere Grundflächen erforderlich. Eine dauerhafte Haltung in sogenannten Racksystemen ist nicht zulässig.

Als wechselwarme Tiere benötigen Königsboas ein Temperaturgefälle im Terrarium, das es ihnen ermöglicht, ihre optimale Körpertemperatur zu erreichen. Zu diesem Zweck wird außerhalb des Terrariums auf einer Seite eine Bodenheizung installiert, um lokal begrenzt eine Erwärmung auf 35 °C zu gewährleisten. Auch der Einsatz von Wärmestrahlern mit UV-Anteilen ist möglich. Die Bodentemperatur im übrigen Terrarium sollte bei 26 - 28 °C liegen; in der Nacht sollte die Temperatur auf etwa 22 °C sinken.

Die Luftfeuchtigkeit sollte bei etwa 60 bis 80 % liegen und kann nachts auf über 90 % ansteigen. Sie kann durch tägliches Besprühen des Terrariums mit lauwarmem Wasser oder den Einsatz einer Beregnungsanlage erzielt werden. Zur Messung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind präzise Thermo- und Hygrometer erforderlich.

Als Grundbeleuchtung eignen sich Leuchtstoffröhren; die Beleuchtungsdauer sollte 10 - 12 Stunden betragen. Die Beleuchtung muss unerreichbar für die Schlangen angebracht sein oder durch einen Gitterkorb gesichert werden (Verbrennungsgefahr!).

Als Einrichtung haben sich Etagen, stabile Felsaufbauten (auch Imitate), Wurzeln und/oder dickere Äste sowie Korkröhren und andere höhlenartige Verstecke bewährt. Für jedes Tier muss mindestens eine Rückzugsmöglichkeit vorhanden sein. Königsboas klettern gut; deshalb muss die Einrichtung sicher im Terrarium installiert sein, damit sich die Tiere nicht verletzen können. Das Vorhandensein ausreichend vieler rauer Oberflächen erleichtert den Tieren die regelmäßige Häutung. Des Weiteren gehört ein ausreichend großes, temperiertes Wasserbecken, in dem die Tiere auch baden können, zur Grundausstattung. Als Bodengrund eignet sich ein saugfähiges Substrat (z. B. Rindenmulch), das an einer Stelle immer leicht feucht sein sollte.

Wichtig: Es muss immer ein leicht feuchtes Versteck zur Verfügung stehen

Ernährung

Königsboas ernähren sich in der Natur hauptsächlich von Säugetieren, Reptilien und Vögeln. Sie können meist mit gefrorenen Nagern oder Kaninchen passender Größe gefüttert werden, welche vor dem Verfüttern schnell (beispielsweise in lauwarmem Wasser) aufgetaut und auf ungefähre Körpertemperatur (35 - 40 °C) gebracht werden. Bei Bedarf kann das Frostfutter mit geeigneten Präparaten vitaminisiert werden. Auf die Verfütterung lebender Futtertiere sollte aus Tierschutzaspekten sowie der Gefahr von Bissverletzungen durch die Futtertiere verzichtet werden. Frisches Wasser muss ständig zur Verfügung stehen.

Werden mehrere Tiere im Terrarium gehalten, sollten sie zum Fressen einzeln in Boxen gesetzt oder während der Fütterung beaufsichtigt werden. Nach der Fütterung benötigen die Tiere unbedingt mehrere Tage Ruhe und sollten nicht gestört werden.

Achtung: Bei Jungtieren ist eine wöchentliche Fütterung angemessen; bei älteren Exemplaren kann das Fütterungsintervall auf 3 - 4 Wochen verlängert werden.

Pflege

Futterreste, Häutungen und Kot müssen täglich entfernt werden. Bei Jungtieren sollten die Wasserschalen täglich gereinigt werden. Größere Wasserbecken sollten mindestens einmal wöchentlich oder bei Verschmutzung gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Häufig bei Königsboas auftretende Gesundheitsprobleme sind Häutungsschwierigkeiten, Hautmilben, Fressstörungen, Bewegungsstörungen sowie Entzündungen der Atemwege, Hautpilze, Kot- und Schleimhautveränderungen. Bei Auffälligkeiten muss ein reptilienkundiger Tierarzt hinzugezogen werden. Einmal jährliche Kotuntersuchungen auf Endoparasiten sind empfehlenswert.

Boas sind sehr empfänglich für die IBD (Inclusion body disease, Einschlußkörperchenkrankheit), eine letztendlich tödlich verlaufenden Viruserkrankung. Da es bisher keine Therapiemöglichkeit für diese Erkrankung gibt, sollten neu erworbene Tiere, bevor sie in Kontakt zum bestehenden Bestand bekommen, mindestens ein halbes Jahr in Quarantäne kommen und tierärztlich untersucht werden.

Zur Darmflora von Königsboas gehören häufig auch Salmonellen, welche für die Tiere harmlos sind, aber beim Menschen zu Erkrankungen führen können. Durch Hygienemaßnahmen (gründliches Händewaschen u. ä.) kann eine Ansteckung vermieden werden.

Eingewöhnung und Umgang

Reptilen sind reine Beobachtungs- und KEINE Streicheltiere! In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Tiere daher entsprechend Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen.

Die Tiere sollten nur bei Bedarf gefangen werden. Boas sind meist friedlich, können aber empfindlich zubeißen; bei aggressiven Exemplaren empfiehlt sich das Handling mit Hilfe von Handschuhen und/oder einem Schlangenhaken.

Achtung: Während der Häutung sollten die Tiere nicht gefüttert oder aus dem Terrarium genommen werden.

Besonderheiten

Farbzuchten mit reduzierter Pigmentierung (z. B. Albinos) können erhöhte Lichtempfindlichkeit aufweisen.