Australische Sittiche

Neben den bekannten Plattschweifsittichen (eigener Steckbrief) werden noch andere und zum Teil auch großwerdende australische Sitticharten in Deutschland gehalten und regelmäßig nachgezüchtet. Hierzu zählen Königssittich (Alisterus scapularis), Singsittich (Psephotus haematonotus), Vielfarbensittich (P. varius), Princess-of-Wales-Sittich (Polytelis alexandrae), Bergsittich (P. anthopeplus) und Schildsittich (P. swainsonii).

Geschlechtsunterschiede

Die genannten Arten zeigen spätestens nach dem Erreichen der Geschlechtsreife deutliche Geschlechtsunterschiede; dabei sind die Männchen intensiver gefärbt. Eine zuverlässige Geschlechtsbestimmung ist bei Jungtieren häufig nur durch eine DNA-Analyse möglich.

Verhalten

Alle Arten sind sehr sozial und müssen mindestens paarweise gehalten werden. Die gemeinsame Haltung mehrerer Paare ist nur in Großvolieren möglich. Eine Vergesellschaftung mit anderen Vogelarten ist nicht empfehlenswert. Beim Tod eines Tieres muss das ver

Verhaltensgerechte Unterbringung

Die genannten Sitticharten sind schnelle und ausdauernde Flieger und benötigen daher viel Platz. Ein Vogelzimmer mit einer Schlafvoliere ist daher die ideale Wahl. Alternativ wäre die Haltung in einer Zimmervoliere mit der Mindestgröße von 200 x 100 x 200 cm (Länge x Breite x Höhe) für ein Paar bis 40 cm Körpergröße bzw. 300 x 100 x 200 cm über 40 cm Körpergröße und zusätzlich täglich mehrere Stunden Freiflug möglich. Eine reine Käfighaltung ohne täglichen Freiflug wird dem Bewegungsbedürfnis der Tiere nicht gerecht und ist als tierschutzwidrig einzuschätzen.

Da Australische Sittiche kräftige Schnäbel besitzen und gerne nagen, müssen die Volieren entsprechend stabil sein. Die Gitter dürfen nicht lackiert sein, sondern müssen eine stabile Beschichtung aufweisen. Ideal ist eine Querverdrahtung, da sie von den Tieren gerne zum Klettern genutzt wird.

Die Voliere sollte an einer ruhigen, hellen Stelle ohne direkte Sonnenstrahlung stehen. Der ideale Temperaturbereich liegt zwischen 18 und 25 °C, die relative Luftfeuchtigkeit sollte bei 60% liegen. Plötzliche Temperaturschwankungen und Zugluft sind unbedingt zu vermeiden! Die genannten Arten können auch ganzjährig in großen Freivolieren mit einem frostsicheren Schutzhaus gehalten werden, was ihrem hohen Flugbedürfnis entgegen kommt.

Für die Einrichtung eignen sich Sitzstangen, Leitern, Seile, Schaukeln u.ä. Kräftige Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern eignen sich als Sitzstangen und Nagemöglichkeit. Die Sitzmöglichkeiten sollten so angeordnet sein, dass eine Verschmutzung durch herabfallenden Kot vermieden wird. Bei der Einrichtung ist stets darauf zu achten, dass noch ausreichend freier Raum zum Fliegen vorhanden ist. Eine Bademöglichkeit wird gern genutzt und muss täglich angeboten werden; alternativ können die Tiere auch vorsichtig mit lauwarmem Wasser besprüht werden.

Die Tiere benötigen täglich neue Beschäftigungsmöglichkeiten! Aufgrund ihres starken Nagetriebes sind Äste von Laubbäumen (z. B. Hasel, Weide, Birke) besonders gut geeignet, ebenso wie unbehandeltes Holzspielzeug, Pappschachteln, Bälle etc.

Als Bodengrund eignen sich Hanfeinstreu oder andere saugfähige Materialien. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen bei Zimmerhaltung eine gezielte Beleuchtung mit UV-Anteilen. Falls Leuchtstoffröhren zum Einsatz kommen, müssen diese flackerfrei sein (elektronische Vorschaltgeräte). Vögel neigen im Dunkeln zu Panikreaktionen und können sich dabei schwer verletzen; ein schwaches Orientierungslicht (Mondlicht) im Raum kann dies verhindern.

Achtung: Spiegel, Plastikvögel und leicht verschluckbare Kleinteile sind als Spielzeug ungeeignet! Sandpapiermatten oder -überzüge, Rundkäfige, Käfige mit weißen Gittern sowie (schlecht) verzinkte oder mit Kunststoff überzogene Gitter sind ebenfalls tierschutzwidrig.

Ernährung

Der Fachhandel bietet geeignete Körnermischungen für (Australische) Großsittiche an. Um eine Verfettung zu vermeiden, sollten diese nur wenige fetthaltige Sämereien (wie Sonnenblumenkerne, Hanf, Kardi) enthalten und zudem strikt auf die Futtermenge geachtet werden.

Als Tagesportion reichen zwei bis drei leicht gehäufte Esslöffel Körner pro Tier. Als Alternative kann auch Pelletfutter angeboten werden, wenn die Tiere daran gewöhnt wurden. Bei der Verfütterung von Kolbenhirse muss ebenfalls auf die Futtermenge geachtet werden. Werden mehrere Tiere gehalten ist es sinnvoll das Futter auf mehrere Näpfe zu verteilen, um Aggressionen an der Futterstelle zu vermeiden.

Für eine gesunde Ernährung ist ein hoher Anteil Frischfutter wichtig, wie Kräuter (u. a. Vogelmiere, Küchenkräuter), Salate (z. B. Chicoree, Feldsalat), Gemüse (wie Gurke, Zucchini, Paprika Vorsicht: Avokado ist für die Tiere giftig!) und Obst (z. B. Äpfel). Gerne angenommen wird auch Keim- und Kochfutter in kleinen Mengen (Vorsicht: Keimfutter verdirbt schnell! Daher muss die Hygiene sorgfältig beachtet werden. Zudem regt es die Tiere u. U. zur Brut an). Frische Äste von Laubbäumen (z. B. Hasel, Weide, Birke) bieten Abwechslung und Knabbermöglichkeiten.

Zur Verdauung und für gesunde Knochen wird Grit – beispielsweise als Mineralpickstein – benötigt. Während des jährlichen Gefiederwechsels (Mauser) benötigt der Vogel tierisches Eiweiß (z. B. etwas Ei- oder Weichfutter). Einmal pro Woche sollte ein geeignetes Vitaminpräparat gegeben werden.

Sauberes Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Wasser- und Futtergefäße sowie Badegelegenheiten sind so anzubringen, dass sie von den Vögeln nicht verschmutzt werden.

Zur Eingewöhnung junger Tiere empfiehlt es sich, das Futter und Wasser auf dem Boden anzubieten. 

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Bademöglichkeiten müssen täglich gründlich gereinigt werden. Mindestens einmal in der Woche müssen das Vogelheim und die Einrichtung gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert sowie der Bodengrund komplett erneuert werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Vögel zeigen ihr Unwohlsein erst spät, deshalb ist sofortiges Handeln unerlässlich! Kompetenter Ansprechpartner ist der vogelkundige Tierarzt. Häufige Krankheitsanzeichen sind Teilnahmslosigkeit, aufgeplustertes oder verschmutztes Gefieder, Gefiederlücken, Schlafen auf beiden Beinen und veränderter Kot. Bei Bedarf sind zu lange Krallen oder der Schnabel zu kürzen. Auch hier sollte der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Eingewöhnung und Umgang

Die aufgeführten Arten nagen teilweise stark und können sehr laut werden. Die Vögel können durchaus zahm werden; es gibt jedoch große individuelle Unterschiede.

In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Vögel viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Besonders in der Eingewöhnungsphase sollten schnelle Bewegungen in der Nähe der Tiere vermieden werden. Auch leises, ruhiges Ansprechen hilft bei der Eingewöhnung. Sind die Tiere nicht mehr ängstlich, kann versucht werden, ihnen mit der Hand Leckerbissen wie Hirsekolben anzubieten.

Vögel reagieren auf ungewohnte Reize häufig sehr hektisch. Grundsätzlich suchen sie bei Beunruhigung gerne erhöhte Sitzplätze auf. Entsprechend hohe Volieren oder eine erhöhte Aufstellung des Käfigs/Vogelheimes helfen Stress zu reduzieren.

Eingewöhnten Tieren kann Freiflug angeboten werden. Alle potenziellen Gefahrenquellen beim Freiflug, wie bspw. offene Fenster, Fensterscheiben ohne Aufkleber, Zimmerpflanzen oder andere Haustiere, müssen dabei berücksichtigt werden. Um die Rückkehr in den/die Käfig/Voliere zu erleichtern, sollte nur im Käfig/Voliere gefüttert werden. Evtl. können die Tiere mit Leckerbissen (z. B. Hirse) in den Käfig gelockt werden.

Das Fangen stellt für Vögel immer eine Extremsituation dar; daher werden die Tiere am besten kontinuierlich mit Leckerbissen an einen Transportkäfig gewöhnt. Im Ernstfall können sie mit einem feinmaschigen Fangkescher eingefangen und anschließend vorsichtig umfasst werden. Vorsicht: Die Tiere können kräftig zubeißen!

Besonderheiten

Alle genannten Arten unterliegen in Deutschland dem Artenschutzrecht (Anhang B); sie sind zwar nicht meldepflichtig, ein Herkunftsnachweis wird jedoch benötigt.

Edelsittiche legen mehrfach. Ein Nistkasten sollte daher nur angeboten werden, wenn konkrete Zuchtabsichten bestehen und Abnehmer für die Jungtiere vorhanden sind. Bei Problemen mit der Eiablage (Dauerlegen, Legenot) muss ein vogelkundiger Tierarzt hinzugezogen werden.

Gelegentlich werden auf den Menschen geprägte, „superzahme“ Einzeltiere zum Verkauf angeboten; diese Form der kommerziellen Handaufzucht und die daraus folgende Einzelhaltung sind aus Tierschutzgründen abzulehnen.