BNA/Hirt

Bourke- und Grassittiche

Die Gattung der Grassittiche (Neophema) umfasst mehrere bekannte und häufig nachgezüchtete Arten, wie den Glanz- (N. splendida), Schmuck- (N. elegans) oder Schönsittich (N. pulchella).

Der Bourkesittich (Neopsephotus bourkii) unterscheidet sich in Verhalten und Haltung nicht wesentlich von den nah verwandten Grassittichen. Von allen Arten gibt es eine Vielzahl von Farbschlägen und teilweise auch Kreuzungen, was die genaue Artbestimmung für den Laien erschwert. Gras- und insbesondere Bourkesittiche sind eher leise.

Geschlechtsunterschiede

Nach ca. 8 - 9 Monaten ist bei allen Arten ein deutlicher Geschlechtsunterschied zu erkennen, da die Männchen immer merklich intensiver gefärbt sind. Jungvögel ähneln in der Färbung den Weibchen; bei ihnen kann das Geschlecht durch eine DNA-Analyse festgestellt werden.

Verhalten

Gras- und Bourkesittiche müssen mindestens paarweise gehalten werden. In Großvolieren ist u. U. auch eine Gruppenhaltung möglich, allerdings sind die Männchen bei einigen Arten während der Brut sehr aggressiv.

Beim Tod eines Tieres muss das verbliebene Tier wieder vergesellschaftet werden; dies geschieht anfänglich am besten mit Hilfe eines zweiten Käfigs, damit sich die Tiere langsam aneinander gewöhnen können.

Gras- und Bourkesittiche sind tagaktiv; empfohlen wird eine Nachtruhe von mindestens 10 Stunden (ggf. abdunkeln).

Verhaltensgerechte Unterbringung

Die Tiere zeigen in aller Regel zwar ein ruhiges Verhalten; ihnen muss aber trotzdem täglich für mehrere Stunden Freiflug angeboten werden. Daher ist ein Vogelzimmer mit einem Schlafkäfig die ideale Wahl. Alternativ wäre die Haltung in einem Vogelheim mit der Mindestgröße von 120 x 60 x 100 cm (Länge x Breite x Höhe) für ein Paar oder in einer Vogelvoliere und zusätzlich täglich mehrere Stunden Freiflug möglich. Eine reine Käfighaltung ohne täglichen Freiflug wird dem Bewegungsbedürfnis der Tiere nicht gerecht und ist als tierschutzwidrig einzuschätzen.

Die Voliere sollte an einer ruhigen, hellen Stelle ohne direkte Sonnenstrahlung stehen. Käfige müssen in einer Höhe von mindestens 0,80 m aufgestellt werden. Der ideale Temperaturbereich liegt bei 18 bis 25 °C. Gras- und Bourkesittiche können problemlos ganzjährig in Freivolieren mit einem frostfreien Schutzhaus (mind. 0,5 m²) gehalten werden.

Für die Einrichtung eignen sich Sitzstangen, Leitern, Seile, Schaukeln u. ä. Die Sitzstangen – optimal sind Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern – sollten etwas federn, damit Gelenke und Füße der Tiere geschont werden. Die Sitzmöglichkeiten sollten so angeordnet sein, dass eine Verschmutzung durch herabfallenden Kot vermieden wird. Bei der Einrichtung ist stets darauf zu achten, dass noch ausreichend freier Raum zum Fliegen vorhanden ist. Eine Bademöglichkeit (Schale oder Badehäuschen) wird ebenfalls gerne genutzt. Achtung: Gras- und Bourkesittiche halten sich gerne am Boden auf!

Gras- und Bourkesittiche benötigen täglich neue Beschäftigungsmöglichkeiten! Gut geeignet sind Äste von Laubbäumen (z. B. Hasel, Weide, Birke), ebenso wie Gräser, unbehandeltes Holzspielzeug, Pappschachteln, Bälle etc.

Als Bodengrund eignen sich Hanfeinstreu oder andere saugfähige Materialien. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen bei Zimmerhaltung eine gezielte Beleuchtung mit UV-Anteilen. Falls Leuchtstoffröhren zum Einsatz kommen, müssen diese flackerfrei sein (elektronische Vorschaltgeräte). Vögel neigen im Dunkeln zu Panikreaktionen und können sich dabei schwer verletzen; ein schwaches Orientierungslicht (Mondlicht) im Raum kann dies verhindern.

Achtung: Spiegel, Plastikvögel und leicht verschluckbare Kleinteile sind als Spielzeug ungeeignet! Sandpapiermatten oder -überzüge, Rundkäfige, Käfige mit weißen Gittern sowie (schlecht) verzinkte oder mit Kunststoff überzogene Gitter sind ebenfalls tierschutzwidrig.

Ernährung

Gras- und Bourkesittiche haben sich an die kargen Bedingungen der australischen Trockengebiete hervorragend angepasst und verfetten daher schnell, wenn sie zu reichhaltig ernährt werden. Gut geeignet ist eine Wellensittich-Körnermischung mit möglichst wenigen fetthaltigen Sämereien sowie Kolbenhirse. Als Tagesportion reichen zwei leicht gehäufte Teelöffel Körner pro Tier. Bei der Verfütterung von Kolbenhirse muss ebenfalls auf die Futtermenge geachtet werden. Als Alternative kann auch Pelletfutter angeboten werden, wenn die Tiere daran gewöhnt wurden.

Für eine gesunde Ernährung ist die tägliche Gabe von Frischfutter wichtig, z. B. Gemüse (Karotten, Zucchini; Vorsicht: Avokado ist für die Tiere giftig!), Kräuter (Vogelmiere, Löwenzahn) und Obst (Äpfel). Frische Äste von Laubbäumen (z. B. Hasel, Weide, Birke) bieten Abwechslung und Knabbermöglichkeiten. Gerne angenommen wird auch Keim- und Kochfutter in kleinen Mengen (Vorsicht: Regt die Tiere u. U. zur Brut an und verdirbt schnell; Hygiene sorgfältig beachten!).

Zur Verdauung und für gesunde Knochen wird Grit – beispielsweise als Mineralpickstein – benötigt. Während des jährlichen Gefiederwechsels (Mauser) benötigt der Vogel tierisches Eiweiß (z. B. etwas Ei- oder Weichfutter). Einmal pro Woche sollte ein geeignetes Vitaminpräparat gegeben werden.

Sauberes Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Wasser- und Futtergefäße sowie Badegelegenheiten sind so anzubringen, dass sie von den Vögeln nicht verschmutzt werden.

Zur Eingewöhnung junger Tiere empfiehlt es sich, das Futter und Wasser auf dem Boden anzubieten. Auch erwachsene Tiere suchen häufig am Boden nach Futter.

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Bademöglichkeiten müssen täglich gründlich gereinigt werden. Mindestens einmal in der Woche müssen das Vogelheim und die Einrichtung gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert sowie der Bodengrund komplett erneuert werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Vögel zeigen ihr Unwohlsein erst spät, deshalb ist sofortiges Handeln unerlässlich! Kompetenter Ansprechpartner ist der vogelkundige Tierarzt. Häufige Krankheitsanzeichen sind Teilnahmslosigkeit, aufgeplustertes oder verschmutztes Gefieder, Gefiederlücken, Schlafen auf beiden Beinen und veränderter Kot. Bei Bedarf sind zu lange Krallen oder der Schnabel zu kürzen. Auch hier sollte der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Eingewöhnung und Umgang

Bourke- und Grassittiche sind ruhige Tiere und ziehen sich gerne etwas zurück. In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Vögel daher viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Besonders in der Eingewöhnungsphase sollten schnelle Bewegungen in der Nähe der Tiere vermieden werden. Auch leises, ruhiges Ansprechen hilft bei der Eingewöhnung. Sind die Tiere nicht mehr ängstlich, kann versucht werden, ihnen mit der Hand Leckerbissen wie Hirsekolben anzubieten. Insbesondere Bourkesittiche können bei richtigem Umgang sehr zahm werden.

Vögel reagieren auf ungewohnte Reize häufig sehr hektisch. Grundsätzlich suchen sie bei Beunruhigung gerne erhöhte Sitzplätze auf. Entsprechend hohe Volieren oder eine erhöhte Aufstellung des Käfigs/Vogelheimes helfen Stress zu reduzieren.

Eingewöhnten Tieren kann Freiflug angeboten werden. Alle potenziellen Gefahrenquellen beim Freiflug, wie bspw. offene Fenster, Fensterscheiben ohne Aufkleber, Zimmerpflanzen oder andere Haustiere, müssen dabei berücksichtigt werden. Um die Rückkehr in den/die Käfig/Voliere zu erleichtern, sollte nur im Käfig/Voliere gefüttert werden. Evtl. können die Tiere mit Leckerbissen (z. B. Hirse) in den Käfig gelockt werden.

Das Fangen stellt für Vögel immer eine Extremsituation dar; daher werden die Tiere am besten kontinuierlich mit Leckerbissen an einen Transportkäfig gewöhnt. Im Ernstfall können sie mit einem feinmaschigen Fangkescher eingefangen und anschließend vorsichtig umfasst werden.

Die Vögel sind aufgrund ihres etwas zurückgezogenen Verhaltens für Jugendliche erst ab 14 Jahren (unter Aufsicht der Eltern) geeignet.

Besonderheiten

Die genannten Arten stehen unter Artenschutz (Anhang B). Sie sind nicht meldepflichtig; ein Herkunftsnachweis wird jedoch benötigt. Ein Nistkasten sollte nur angeboten werden, wenn konkrete Zuchtabsichten bestehen und Abnehmer für die Jungtiere vorhanden sind.

Gelegentlich werden auf den Menschen geprägte, „superzahme“ Einzeltiere zum Verkauf angeboten; diese Form der kommerziellen Handaufzucht und die daraus folgende Einzelhaltung sind aus Tierschutzgründen abzulehnen.