Chinesische Zwergwachtel

Der zweite Teil ihres Namens ist wirklich passend, denn mit einer Körpergröße von nur 12 - 14 cm und einem Gewicht von 45 - 70 Gramm sind die Chinesischen Zwergwachteln (Synoicus chinensis, früher Coturnix chinensis) die kleinsten Hühnervögel der Welt. Allerdings erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Afrika über weite Teile Asiens bis nach Australien.

Als Lebensraum bevorzugen die lebhaften Vögel offene Landschaften und Bergregionen. Ihren Beinamen verdanken die Tiere der Tatsache, dass sie in China bereits seit vielen Jahrhunderten als Ziervögel gehalten werden. In Europa werden Chinesische Zwergwachteln seit über 200 Jahren gepflegt und in zahlreichen Farbschlägen gezüchtet. Achtung: Trotz ihrer geringen Größe benötigen Chinesische Zwergwachteln viel Platz!

Geschlechtsunterschiede

Bei wildfarbenen Tieren sind die Geschlechter gut zu unterscheiden. Die Männchen sind kleiner, i.d.R. dunkler und kontrastreicher gefärbt und haben eine deutlich ausgeprägte Gesichtsmaske. Bei einigen Farbschlägen sind diese Merkmale nur noch schwer zu erkennen oder fehlen gänzlich. Erwachsene Weibchen sind jedoch etwas größer und massiger als die Männchen. Zudem rufen ausschließlich die Männchen.

Verhalten

Chinesische Zwergwachteln sollten immer paarweise – also ein Hahn und eine Henne – gehalten werden. Eine Einzelhaltung ist eindeutig als tierschutzwidrig abzulehnen.

Beim Tod eines Tieres muss das verbliebene Tier wieder vergesellschaftet werden. Da beide Geschlechter sehr aggressiv gegenüber Artgenossen sein können, ist eine Vergesellschaftung mehrerer Paare nur in sehr großen und gut strukturierten Volieren möglich. Eine Vergesellschaftung mit anderen, nicht bodenlebenden Arten, z. B. Kanarienvögeln oder Prachtfinken, ist dagegen gut möglich.

Zwergwachteln sind tagaktiv; empfohlen wird eine Nachtruhe von mindestens 10 Stunden (ggf. abdunkeln).

Verhaltensgerechte Unterbringung

Die aktiven Chinesischen Zwergwachteln leben ausschließlich am Boden und benötigen daher eine möglichst große Fläche zum Ausleben ihres Bewegungsdranges. Ein Vogelheim für ein Paar Chinesische Zwergwachteln sollte daher mindestens die Maße 100 x 100 x 100 cm aufweisen, empfehlenswert sind jedoch deutlich größere Volieren. Da die Tiere nur in Stresssituationen kurz und stürmisch auffliegen, muss ihnen kein Freiflug angeboten werden.

Das Vogelheim sollte an einer ruhigen, hellen Stelle ohne direkte Sonnenstrahlung stehen. Käfige müssen in einer Höhe von mindestens 0,80 m aufgestellt werden. Eine ebenerdige Haltung ist nur in großen Volieren angebracht, da die Vögel auf Annäherungen sonst teils panisch reagieren.

Chinesische Zwergwachteln stellen keine besonderen Ansprüche an das Klima. Der ideale Temperaturbereich liegt zwischen 18 und 25 °C, die relative Luftfeuchtigkeit sollte bei etwa 60 % liegen. Plötzliche Temperaturschwankungen und Zugluft sind unbedingt zu vermeiden! Zwergwachteln können nur ganzjährig in Freivolieren gehalten werden, wenn ein frostfreier Schutzraum und genügend Schattenplätze vorhanden sind.

Grasbüschel, (belaubte) Äste, Wurzeln, größere Steine und (Kleinsäuger-)Häuschen bieten Struktur und Rückzugsmöglichkeiten. Sitzstangen werden nicht benötigt, da die Tiere auch am Boden schlafen. Der Boden muss mit einer Schicht Erde, Rindenmulch oder Hanfeinstreu bedeckt werden. Flache (Ton-)Schalen mit staubfreiem, weichem Badesand werden gerne als Sandbäder und zum Scharren genutzt.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen zudem bei Zimmerhaltung eine gezielte Beleuchtung mit UV-Anteilen. Falls Leuchtstoffröhren zum Einsatz kommen, müssen diese flackerfrei sein (elektronische Vorschaltgeräte). Vögel neigen im Dunkeln zu Panikreaktionen und können sich dabei schwer verletzen; eine schwache Lampe (Mondlicht) im Raum kann dies verhindern.

Achtung: Leicht verschluckbare Kleinteile, Rundkäfige und Käfige mit weißen Gittern sind tierschutzwidrig.

Ernährung

Wasser und Futter sollten in flachen Schalen auf dem Boden angeboten werden. Gut geeignet ist eine Exoten-Körnermischung aus kleinen Sämereien. Als Tagesportion reichen zwei leicht gehäufte Teelöffel pro Tier. Auch Hirsekolben werden gerne angenommen. Werden mehrere Tiere gehalten ist es häufig sinnvoll das Futter auf mehrere Näpfe zu verteilen, um Aggressionen an der Futterstelle zu vermeiden.

Zusätzlich benötigen die Tiere täglich reichhaltiges Frischfutter wie Kräuter (u. a. Vogelmiere, Küchenkräuter), Gemüse (wie Gurke, Karotte, Zucchini, Paprika; Vorsicht: Avokado ist für die Tiere giftig!) und Obst (z. B. Äpfel). Gerne angenommen wird auch Keimfutter (Vorsicht: Keimfutter verdirbt schnell! Daher muss die Hygiene sorgfältig beachtet werden). Zur Verdauung und für gesunde Knochen wird Kalzium – beispielsweise Grit – benötigt. Zudem benötigen Zwergwachteln regelmäßig tierisches Eiweiß in Form von Mehlwürmern, getrockneten Insekten oder Ei- bzw. Weichfutter. Einmal pro Woche sollte ein geeignetes Vitaminpräparat gegeben werden.

Sauberes Wasser muss immer angeboten werden, idealerweise in flachen Schalen.

Die aufmerksamen, aber teilweise auch scheuen Zwergwachteln können gut mit Futter beschäftigt werden. Ein Teil des Futters sollte deshalb auf dem Boden verstreut werden. Daneben bieten auch lebende Insekten (z. B. Mehlwürmer) und Frischfutter Anreize. Etwas Heu kann ebenfalls als Beschäftigungsmaterial angeboten werden.

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße müssen täglich, das Sandbad bei Bedarf gründlich gereinigt werden. Mindestens einmal in der Woche müssen das Vogelheim und die Einrichtung gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert sowie der Bodengrund komplett erneuert werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Vögel zeigen ihr Unwohlsein erst spät, deshalb ist sofortiges Handeln unerlässlich! Kompetenter Ansprechpartner ist der vogelkundige Tierarzt. Häufige Krankheitsanzeichen sind Teilnahmslosigkeit, aufgeplustertes oder verschmutztes Gefieder, Gefiederlücken und veränderter Kot. Bei Bedarf sind zu lange Krallen zu kürzen. Auch hier sollte der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Eingewöhnung und Umgang

In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Vögel viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Zwergwachteln werden in der Regel nicht handzahm und reagieren auf ungewohnte Reize sehr hektisch und/oder verstecken sich. Bei Gefahr versuchen Zwergwachteln durch hektisches, schnelles Auffliegen zu entkommen. Eine Verletzungsgefahr aufgrund dieses arttypischen Fluchtverhaltens muss dabei ausgeschlossen werden (Polsterung der Decke, Volieren ab 2 m Höhe). Besonders in der Eingewöhnungsphase sollten schnelle Bewegungen in der Nähe der Tiere vermieden werden.

Das Fangen stellt für Vögel immer eine Extremsituation dar; daher werden die Tiere am besten kontinuierlich mit Leckerbissen an einen Transportkäfig gewöhnt. Im Ernstfall können sie mit einem feinmaschigen Fangkescher eingefangen und anschließend vorsichtig umfasst werden.

Chinesische Zwergwachteln eignen sich für Kinder frühestens ab 12 Jahren (unter Aufsicht der Eltern).

Besonderheiten

Die Hennen werden im Laufe der Zeit mit der Eiablage beginnen; der Bruttrieb wird häufig nur ausgelöst, wenn eine bestimmte Anzahl Eier gelegt wurde. Einige Stämme brüten jedoch kaum noch selbständig. Jungtiere sollten nur aufgezogen werden, wenn Abnehmer bekannt sind. Um den Eiablagetrieb zu unterbinden, können der Henne Eiattrappen zum Ausbrüten untergelegt werden.

Zwergwachteln fallen als Hühnervögel („Geflügel“) unter die Meldepflicht der Geflügelpest-Verordnung.