Großpapageien

Unter der Bezeichnung „Großpapageien“ werden alle großwerdenden Papageienarten zusammengefasst. Zu den bekanntesten Vertretern zählen die Kakadus, Aras und Amazonen sowie die Edelpapageien. Auf die beliebten Grau- und Langflügelpapageien wird separat eingegangen.

Schon aufgrund ihrer Größe und Intelligenz stellen alle diese Arten enorme Anforderungen an die Haltung. Hinzu kommen noch die Lautstärke, das ausgeprägte Nageverhalten und eine hohe Lebenserwartung. Daher soll nachfolgend auf einige wichtige Aspekte einer tiergerechten Haltung von Großpapageien eingegangen werden. Diese Information ersetzt keinesfalls die Fachliteratur! 

Geschlechtsunterschiede

Mit Ausnahme der Edelpapageien (Männchen grüngefärbt, Weibchen dagegen rot-blau) können die Geschlechter nur mit Hilfe eines DNA-Tests oder mittels Endoskopie sicher bestimmt werden.

Verhalten

Viele Arten von Großpapageien sind nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen intelligent und stellen daher enorme Ansprüche an eine verhaltensgerechte Unterbringung. Neben einem passenden Sozialpartner muss daher nicht nur das Bewegungsbedürfnis sondern insbesondere auch ihr natürlicher Spiel- und Erkundungstrieb berücksichtigt werden.

Zudem kann bei den Tieren häufig ein ausgeprägtes individuelles Verhalten beobachtet werden.Großpapageien neigen bei nicht verhaltensgerechter Haltung zur Entwicklung von Verhaltensstörungen wie Federrupfen, Schreien oder gesteigerter Aggressivität. Großpapageien sind tagaktiv; empfohlen wird eine Nachtruhe von mindestens 10 Stunden (ggf. abdunkeln).

Verhaltensgerechte Unterbringung

Zu den wesentlichen Voraussetzungen einer verhaltensgerechten Haltung von Großpapageien zählen:

Großpapageien müssen immer paarweise oder in kleinen Gruppen gehalten werden! Eine Einzelhaltung ist eindeutig als tierschutzwidrig abzulehnen! Großpapageien können bei richtigem Umgang – auch bei paarweiser oder Gruppenhaltung – sehr zahm werden.

Beim Tod eines Tieres muss das verbliebene Tier wieder vergesellschaftet werden; dies geschieht anfänglich am besten mit Hilfe eines zweiten Käfigs, damit sich die Tiere langsam aneinander gewöhnen können, oder auf einem für beide Tiere fremden Territorium.

Großpapageien benötigen viel Platz. Die Tiere können entweder in einem Vogelzimmer oder in einer großen Zimmervoliere mit täglich mehreren Stunden Freiflug gehalten werden. Ideal sind großzügige Außenvolieren (mit temperiertem Schutzhaus). Das Raumangebot für den Freiflug bzw. ein Vogelzimmer muss für kleinere Arten mindestens 6 - 8 m², für größere Arten mindestens 18 - 20 m² betragen.

Die Zimmervoliere sollte für Tiere mit einer Gesamtkörperlänge bis maximal 40 cm mindestens 200 x 100 x 200 cm und für Tiere mit einer Gesamtkörperlänge von mehr als 40 cm mindestens 300 x 100 x 200 cm (Länge x Breite x Höhe) groß sein. Alle potenziellen Gefahrenquellen beim Freiflug, wie beispielsweise offene Fenster, Fensterscheiben ohne Aufkleber, Zimmerpflanzen oder andere Haustiere, müssen dabei berücksichtigt werden.

Großpapageien benötigen eine konsequente Erziehung. Für ein möglichst stressfreies Zusammenleben von Vogel und Mensch ist es hilfreich, wenn die Tiere bestimmte Verhaltensweisen (z. B. in die Voliere zurückkehren, in eine Transportbox gehen) erlernen.

Großpapageien müssen intensiv beschäftigt werden! Die Tiere benötigen täglich neue Beschäftigungsmöglichkeiten und ausreichend Nagematerial; hierfür eignen sich Äste von Laubbäumen mit Knospen oder Blättern (z. B. Hasel, Weide, Birke), Pappröhren und Schachteln (Höhlen) ebenso wie Spielsachen aus dem Handel. Entsprechendes Beschäftigungsmaterial muss auch während des Freifluges oder im Vogelzimmer angeboten werden! Empfehlenswert ist auch hier ein tägliches Training (z. B. Clickertraining).

Die genannten Arten, insbesondere Nachzuchten, stellen erfahrungsgemäß keine besonderen Ansprüche an das Klima. Der ideale Temperaturbereich liegt zwischen 18 bis 25 °C, die relative Luftfeuchtigkeit sollte bei mindestens 60 - 70 % liegen. Plötzliche Temperaturschwankungen und Zugluft sind zu vermeiden!

Die Voliere sollte an einer ruhigen, hellen Stelle ohne direkte Sonnenstrahlung stehen. Bei der Einrichtung ist stets darauf zu achten, dass noch ausreichend freier Raum vorhanden ist. Kräftigere Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern eignen sich als Sitzstangen und Nagemöglichkeit. Einigen Großpapageien müssen Schlafhöhlen und/oder Schlafbrettchen angeboten werden. Auch das Vogelzimmer oder die Räume, in denen Freiflug angeboten wird, müssen entsprechend mit Sitzgelegenheiten ausgestattet sein.

Eine Bademöglichkeit wird gern genutzt; alternativ können die Tiere mit warmem Wasser besprüht werden. Als Bodengrund eignen sich Hanfeinstreu oder andere saugfähige Materialien. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen bei Zimmerhaltung eine gezielte Beleuchtung mit UV-Anteilen. Falls Leuchtstoffröhren zum Einsatz kommen, müssen diese flackerfrei sein (elektronische Vorschaltgeräte). Vögel neigen im Dunkeln zu Panikreaktionen und können sich dabei schwer verletzen; ein schwaches Orientierungslicht (Mondlicht) im Raum kann dies verhindern.

Achtung: Die meisten Fluggeschirre sind abzulehnen, und selbst geeignete Geschirre dürfen nur bei zahmen und trainierten Vögeln eingesetzt werden. Spiegel, Plastikvögel und leicht verschluckbare Kleinteile sind als Spielzeug ungeeignet! Sandpapiermatten oder -überzüge, Rundkäfige, Käfige mit weißen Gittern sowie (schlecht) verzinkte oder mit Kunststoff überzogene Gitter sind ebenfalls tierschutzwidrig.

Ernährung

Für alle Großpapageien stehen entsprechende Futtermischungen, beispielsweise Ara- oder Amazonenmischungen, zur Verfügung. In der Praxis hat es sich bewährt, den Tieren 5 % ihrer Körpermasse als Trockenfutter zu geben, d. h. eine Amazone mit 600 g Gewicht erhält 30 g Sämereien. Alternativ zu Körnermischungen können auch hochwertige Extrudate oder Pellets angeboten werden; allerdings muss die Umstellung stufenweise erfolgen.

Zusätzlich benötigen die Tiere täglich reichhaltiges Frischfutter wie Kräuter (u. a. Vogelmiere, Küchenkräuter), Gemüse (wie Gurke, Karotte, Zucchini, Paprika; Vorsicht: Avokado ist für die Tiere giftig!) und Obst (z. B. Äpfel). Gerne angenommen wird auch Keim- und Kochfutter (Vorsicht: Verdirbt schnell! Daher muss die Hygiene sorgfältig beachtet werden.). Zur Verdauung und für gesunde Knochen wird Kalzium – beispielsweise Sepiaschale oder Mineralsteine – benötigt. Während des jährlichen Gefiederwechsels (Mauser) benötigt der Vogel geringe Mengen tierisches Eiweiß (z. B. etwas Ei- oder Weichfutter). Sauberes Wasser muss immer angeboten werden.

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Bademöglichkeiten müssen täglich gründlich gereinigt werden. Mindestens einmal in der Woche müssen das Vogelheim und die Einrichtung gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert sowie der Bodengrund komplett erneuert werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Vögel zeigen ihr Unwohlsein erst spät, deshalb ist sofortiges Handeln unerlässlich! Kompetenter Ansprechpartner ist der vogelkundige Tierarzt. Häufige Krankheitsanzeichen sind Teilnahmslosigkeit, aufgeplustertes oder verschmutztes Gefieder, Gefiederlücken, Schlafen auf beiden Beinen und veränderter Kot. Bei Bedarf sind zu lange Krallen oder der Schnabel zu kürzen. Auch hier sollte der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Eingewöhnung und Umgang

In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Vögel viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Besonders in der Eingewöhnungsphase sollten schnelle Bewegungen in der Nähe der Tiere vermieden werden. Auch leises, ruhiges Ansprechen hilft bei der Eingewöhnung. Sind die Tiere nicht mehr ängstlich, kann versucht werden, ihnen mit der Hand Leckerbissen wie Hirsekolben anzubieten.

Das Fangen stellt für Vögel immer eine Extremsituation dar. Da alle Großpapageien extrem stark zubeißen können, sind für den Fang Erfahrung und eine entsprechende Ausrüstung (z. B. Handschuhe, Kescher) erforderlich. Daher werden die Tiere am besten kontinuierlich mit Leckerbissen an eine Transportbox bzw. die Hand gewöhnt.

Besonderheiten

Alle Großpapageien stehen unter Artenschutz. Sie sind daher immer meldepflichtig und benötigen eine Herkunftsbestätigung. Viele Arten unterliegen darüber hinaus noch der Kennzeichnungspflicht und Vermarktungsbeschränkungen.

Gelegentlich werden auf den Menschen geprägte, „superzahme“ Einzeltiere zum Verkauf angeboten; diese Form der kommerziellen Handaufzucht und die daraus folgende Einzelhaltung sind aus Tierschutzgründen abzulehnen.