Mohrenkopf- und Graupapageien

Zwar faszinieren Graupapageien (Psittacus erithacus) den Menschen durch ihre Sprachbegabung schon seit vielen Jahrhunderten und zählen daher zu den bekanntesten Papageienarten. Welche hohen Ansprüche die sensiblen und intelligenten Tiere an ihre Halter stellen, wurde aber erst in den letzten Jahren deutlich.

Neben dem Graupapagei ist der Mohrenkopfpapagei (Poicephalus senegalus) eine weitere bekannte afrikanische Papageienart. Er zählt zu den Langflügelpapageien, von denen insgesamt 9 Arten bekannt sind. Nachfolgend soll auf einige wichtige Aspekte einer tiergerechten Haltung von Grau- und Mohrenkopfpapageien eingegangen werden. Diese Erläuterungen können aber keinesfalls die Fachliteratur ersetzen!

Geschlechtsunterschiede

Eine sichere Geschlechtsbestimmung ist nur mit Hilfe von Labortests (DNA-Untersuchung oder Endoskopie) möglich.

Verhalten

Viele Arten von Großpapageien sind nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen intelligent und stellen daher enorme Ansprüche an eine verhaltensgerechte Unterbringung. Neben einem passenden Sozialpartner muss daher nicht nur das Bewegungsbedürfnis sondern insbesondere auch ihr natürlicher Spiel- und Erkundungstrieb berücksichtigt werden. Zudem kann bei den Tieren häufig ein ausgeprägtes individuelles Verhalten beobachtet werden; vor allem Graupapageien können sehr empfindlich auf Störungen bzw. Veränderungen reagieren.

Grau- und Mohrenkopfpapageien neigen bei nicht artgerechter Haltung zur Entwicklung von Verhaltensstörungen wie Federrupfen, Schreien oder gesteigerter Aggressivität.

Großpapageien sind tagaktiv; empfohlen wird eine Nachtruhe von mindestens 10 Stunden (ggf. abdunkeln).

Verhaltensgerechte Unterbringung

Zu den wesentlichen Voraussetzungen einer tiergerechten Haltung zählen:

Grau- und Mohrenkopfpapageien müssen immer paarweise oder in kleinen Gruppen gehalten werden! Eine Einzelhaltung ist eindeutig als tierschutzwidrig abzulehnen! Die Tiere können bei richtigem Umgang – auch bei paarweiser oder Gruppenhaltung – sehr zahm werden.

Beim Tod eines Tieres muss das verbliebene Tier wieder vergesellschaftet werden; dies geschieht anfänglich am besten mit Hilfe eines zweiten Käfigs, damit sich die Tiere langsam aneinander gewöhnen können, oder auf einem für beide Tiere fremden Territorium.

Grau- und Mohrenkopfpapageien benötigen eine konsequente Erziehung. Für ein möglichst stressfreies Zusammenleben von Vogel und Mensch ist es hilfreich, wenn die Tiere bestimmte Verhaltensweisen (z. B. in die Voliere zurückkehren, in eine Transportbox gehen) erlernen.

Grau- und Mohrenkopfpapageien müssen intensiv beschäftigt werden! Sie benötigen täglich neue Beschäftigungsmöglichkeiten und ausreichend Nagematerial; hierfür eignen sich Äste von Laubbäumen mit Knospen oder Blättern (z. B. Hasel, Weide, Birke), Pappröhren und Schachteln (Höhlen) ebenso wie Spielsachen aus dem Handel. Entsprechendes Beschäftigungsmaterial muss auch während des Freifluges oder im Vogelzimmer angeboten werden! Empfehlenswert ist auch hier ein tägliches Training (z. B. Clickertraining).

Der ideale Temperaturbereich liegt zwischen 18 bis 25 °C, die relative Luftfeuchtigkeit sollte bei mindestens 70 % liegen. Plötzliche Temperaturschwankungen und Zugluft sind zu vermeiden!

Die Voliere sollte an einer ruhigen, hellen Stelle ohne direkte Sonnenstrahlung stehen. Bei der Einrichtung ist stets darauf zu achten, dass noch ausreichend freier Raum vorhanden ist. Kräftigere Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern eignen sich als Sitzstangen und Nagemöglichkeit. Auch das Vogelzimmer oder die Räume, in denen Freiflug angeboten wird, müssen entsprechend mit Sitzgelegenheiten ausgestattet sein.

Eine Bademöglichkeit wird gern genutzt; alternativ können die Tiere mit warmem Wasser besprüht werden. Als Bodengrund eignen sich Hanfeinstreu oder andere saugfähige Materialien. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen bei Zimmerhaltung eine gezielte Beleuchtung mit UV-Anteilen. Falls Leuchtstoffröhren zum Einsatz kommen, müssen diese flackerfrei sein (elektronische Vorschaltgeräte). Vögel neigen im Dunkeln zu Panikreaktionen und können sich dabei schwer verletzen; ein schwaches Orientierungslicht (Mondlicht) im Raum kann dies verhindern.

Achtung: Die meisten Fluggeschirre sind abzulehnen, und selbst geeignete Geschirre dürfen nur bei zahmen und trainierten Vögeln eingesetzt werden. Spiegel, Plastikvögel und leicht verschluckbare Kleinteile sind als Spielzeug ungeeignet! Sandpapiermatten oder -überzüge, Rundkäfige, Käfige mit weißen Gittern sowie (schlecht) verzinkte oder mit Kunststoff überzogene Gitter sind ebenfalls tierschutzwidrig.

Ernährung

Für beide Arten stehen entsprechende Futtermischungen zur Verfügung. In der Praxis hat es sich bewährt, den Tieren 5 % ihrer Körpermasse als Trockenfutter zu geben, d. h. ein Mohrenkopfpapagei mit 180 g Gewicht erhält 9 g Sämereien (ca. 1 Esslöffel). Alternativ zu Körnermischungen können auch hochwertige Extrudate oder Pellets angeboten werden; allerdings muss die Umstellung stufenweise erfolgen.

Zusätzlich benötigen die Tiere täglich reichhaltiges Frischfutter wie Kräuter (u. a. Vogelmiere, Küchenkräuter), Gemüse (wie Gurke, Karotte, Zucchini, Paprika; Vorsicht: Avokado ist für die Tiere giftig!) und Obst (z. B. Äpfel).

Gerne angenommen wird auch Keim- und Kochfutter (Vorsicht: Verdirbt schnell! Daher muss die Hygiene sorgfältig beachtet werden). Zur Verdauung und für gesunde Knochen wird Kalzium – beispielsweise Sepiaschale oder Mineralsteine – benötigt.

Während des jährlichen Gefiederwechsels (Mauser) benötigt der Vogel geringe Mengen tierisches Eiweiß (z. B. etwas Ei- oder Weichfutter). Sauberes Wasser muss immer angeboten werden.

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Bademöglichkeiten müssen täglich gründlich gereinigt werden. Mindestens einmal in der Woche müssen das Vogelheim und die Einrichtung gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert sowie der Bodengrund komplett erneuert werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Vögel zeigen ihr Unwohlsein erst spät, deshalb ist sofortiges Handeln unerlässlich! Kompetenter Ansprechpartner ist der vogelkundige Tierarzt. Häufige Krankheitsanzeichen sind Atemprobleme, Teilnahmslosigkeit, aufgeplustertes oder verschmutztes Gefieder, Gefiederlücken, Schlafen auf beiden Beinen und veränderter Kot. Bei Bedarf sind zu lange Krallen oder der Schnabel zu kürzen. Auch hier sollte der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Eingewöhnung und Umgang

In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Vögel viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Besonders in der Eingewöhnungsphase sollten schnelle Bewegungen in der Nähe der Tiere vermieden werden. Auch leises, ruhiges Ansprechen hilft bei der Eingewöhnung. Sind die Tiere nicht mehr ängstlich, kann versucht werden, ihnen mit der Hand Leckerbissen wie Hirsekolben anzubieten.

Das Fangen stellt für Vögel immer eine Extremsituation dar. Da alle Großpapageien extrem stark zubeißen können, sind für den Fang Erfahrung und eine entsprechende Ausrüstung (z. B. Handschuhe, Kescher) erforderlich. Daher werden die Tiere am besten kontinuierlich mit Leckerbissen an eine Transportbox bzw. die Hand gewöhnt.

Besonderheiten

Grau- und Mohrenkopfpapageien stehen unter Artenschutz. Sie sind meldepflichtig, benötigen eine Herkunftsbestätigung und unterliegen der Kennzeichnungspflicht. Graupapageien unterliegen zudem Vermarktungsbeschränkungen.

Gelegentlich werden auf den Menschen geprägte, „superzahme“ Einzeltiere zum Verkauf angeboten; diese Form der kommerziellen Handaufzucht und die daraus folgende Einzelhaltung sind aus Tierschutzgründen abzulehnen.