Plattschweifsittiche

Die australischen Plattschweifsittiche (Platycercus) faszinieren durch ihre Farbenpracht, stellen jedoch hohe Ansprüche an die Haltung. Namensgebend für die Gattung ist der lange Schwanz, dessen 4 mittlere Federn sich, im Gegensatz zu den meisten Sittichen, nicht verjüngen. Darüber hinaus besitzen alle Arten auffällige Wangenflecken.

Zu denen am häufigsten gehaltenen Arten der Plattschweifsittiche zählen der Pennantsittich (Platycercus elegans), der Prachtrosella (P. eximius) sowie der Stanleysittich (P. icterotis). 

Geschlechtsunterschiede

Beim Stanleysittich gibt es deutliche Geschlechtsunterschiede. Dagegen unterscheiden sich beim Pennant- und Rosellasittich die Geschlechter kaum voneinander. Erwachsene Männchen sind i.d.R. etwas kräftiger gebaut und haben leicht intensivere Farben. Eine zuverlässige Geschlechtsbestimmung ist jedoch gerade bei Jungtieren nur durch eine DNA-Analyse möglich.

Verhalten

Plattschweifsittiche sind sehr sozial und müssen paarweise gehalten werden. Die gemeinsame Haltung mehrerer Paare ist nur in Großvolieren möglich. Die Vergesellschaftung mit anderen Vogelarten ist nicht empfehlenswert. Beim Tod eines Tieres muss das verbliebene Tier wieder vergesellschaftet werden; dies geschieht anfänglich am besten mit Hilfe eines zweiten Käfigs, damit sich die Tiere langsam aneinander gewöhnen können.

Plattschweifsittiche sind tagaktiv; empfohlen wird eine Nachtruhe von mindestens 10 Stunden (ggf. abdunkeln).

Verhaltensgerechte Unterbringung

Plattschweifsittiche sind schnelle und ausdauernde Flieger und benötigen daher viel Platz. Ein Vogelzimmer mit einer Schlafvoliere ist daher die ideale Wahl. Alternativ wäre die Haltung in einem Vogelheim mit der Mindestgröße von 200 x 100 x 100 cm (Länge x Breite x Höhe) für ein Paar und zusätzlich täglich mehrere Stunden Freiflug möglich. Eine reine Käfighaltung ohne täglichen Freiflug wird dem Bewegungsbedürfnis der Tiere nicht gerecht und ist als tierschutzwidrig einzuschätzen.

Die Voliere sollte an einer ruhigen, hellen Stelle ohne direkte Sonnenstrahlung stehen. Der ideale Temperaturbereich liegt bei 18 bis 25 °C, die relative Luftfeuchtigkeit sollte mindestens 60 % betragen. Plötzliche Temperaturschwankungen und Zugluft sind zu vermeiden! Plattschweifsittiche können auch ganzjährig in Freivolieren mit einem frostsicheren Schutzhaus (mind. 1 m²) gehalten werden, was ihrem hohen Flugbedürfnis entgegen kommt.

Für die Einrichtung eignen sich Sitzstangen, Leitern, Seile, Schaukeln u. ä. Die Sitzstangen – optimal sind Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern – sollten etwas federn, damit Gelenke und Füße der Tiere geschont werden. Die Sitzmöglichkeiten sollten so angeordnet sein, dass eine Verschmutzung durch herabfallenden Kot vermieden wird. Bei der Einrichtung ist stets darauf zu achten, dass noch ausreichend freier Raum zum Fliegen vorhanden ist. Eine Bademöglichkeit (Schale oder Badehäuschen) wird ebenfalls gerne genutzt.

Plattschweifsittiche benötigen täglich neue Beschäftigungsmöglichkeiten! Aufgrund des Nagetriebes der Tiere sind Äste von Laubbäumen (z. B. Hasel, Weide, Birke) besonders gut geeignet, ebenso wie Gräser, unbehandeltes Holzspielzeug, Pappschachteln, Bälle etc.

Als Bodengrund eignen sich Hanfeinstreu oder andere saugfähige Materialien. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen bei Zimmerhaltung eine gezielte Beleuchtung mit UV-Anteilen. Falls Leuchtstoffröhren zum Einsatz kommen, müssen diese flackerfrei sein (elektronische Vorschaltgeräte). Vögel neigen im Dunkeln zu Panikreaktionen und können sich dabei schwer verletzen; ein schwaches Orientierungslicht (Mondlicht) im Raum kann dies verhindern.

Achtung: Spiegel, Plastikvögel und leicht verschluckbare Kleinteile sind als Spielzeug ungeeignet! Sandpapiermatten oder -überzüge, Rundkäfige, Käfige mit weißen Gittern sowie (schlecht) verzinkte oder mit Kunststoff überzogene Gitter sind ebenfalls tierschutzwidrig.

Ernährung

Der Fachhandel bietet geeignete Körnermischungen für Großsittiche an. Um eine Verfettung zu vermeiden, sollten diese nur wenige fetthaltige Sämereien (wie Sonnenblumenkerne, Hanf) enthalten. Auch Kolbenhirse wird gerne angenommen. Als Alternative zu Körnermischungen kann auch Pelletfutter angeboten werden, wenn die Tiere daran gewöhnt wurden.

Für eine gesunde Ernährung ist ein Anteil von mindestens 40 % Frischfutter wichtig, z. B. Gemüse (Gurke, Zucchini, Karotte; Vorsicht: Avokado ist für die Tiere giftig!), Kräuter (Vogelmiere, Löwenzahn) und Obst (Äpfel). Gerne angenommen werden auch Keim- und Kochfutter (Vorsicht: Regt die Tiere u. U. zur Brut an und verdirbt schnell; Hygiene sorgfältig beachten!).

Zur Verdauung und für gesunde Knochen wird Grit – beispielsweise als Mineralpickstein – benötigt. Während des jährlichen Gefiederwechsels (Mauser) benötigt der Vogel tierisches Eiweiß (z.B. etwas Ei- oder Weichfutter). Einmal pro Woche sollte ein geeignetes Vitaminpräparat gegeben werden.

Sauberes Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Wasser- und Futtergefäße sowie Badegelegenheiten sind so anzubringen, dass sie von den Vögeln nicht verschmutzt werden.

Zur Eingewöhnung junger Tiere empfiehlt es sich, das Futter und Wasser auf dem Boden anzubieten. 

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Bademöglichkeiten müssen täglich gründlich gereinigt werden. Mindestens einmal in der Woche müssen das Vogelheim und die Einrichtung gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert sowie der Bodengrund komplett erneuert werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Vögel zeigen ihr Unwohlsein erst spät, deshalb ist sofortiges Handeln unerlässlich! Kompetenter Ansprechpartner ist der vogelkundige Tierarzt. Häufige Krankheitsanzeichen sind Teilnahmslosigkeit, aufgeplustertes oder verschmutztes Gefieder, Gefiederlücken, Schlafen auf beiden Beinen und veränderter Kot. Bei Bedarf sind zu lange Krallen oder der Schnabel zu kürzen. Auch hier sollte der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Eingewöhnung und Umgang

Plattschweifsittiche sind Distanztiere, die viel Zeit und Aufmerksamkeit benötigen, um ein gewisses Maß an Zutraulichkeit zu erreichen. Richtig handzahm werden nur wenige Tiere. Vor der Anschaffung muss auch bedacht werden, dass Plattschweifsittiche stark nagen und durchaus laut werden können.

In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Vögel viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Besonders in der Eingewöhnungsphase sollten schnelle Bewegungen in der Nähe der Tiere vermieden werden. Auch leises, ruhiges Ansprechen hilft bei der Eingewöhnung.

Vögel reagieren auf ungewohnte Reize häufig sehr hektisch. Grundsätzlich suchen sie bei Beunruhigung gerne erhöhte Sitzplätze auf. Entsprechend hohe Volieren oder eine erhöhte Aufstellung des Käfigs/Vogelheimes helfen Stress zu reduzieren.

Eingewöhnten Tieren kann Freiflug angeboten werden. Alle potenziellen Gefahrenquellen beim Freiflug, wie bspw. offene Fenster, Fensterscheiben ohne Aufkleber, Zimmerpflanzen oder andere Haustiere, müssen dabei berücksichtigt werden. Um die Rückkehr in den/die Käfig/Voliere zu erleichtern, sollte nur im Käfig/Voliere gefüttert werden. Evtl. können die Tiere mit Leckerbissen (z. B. Hirse) in den Käfig gelockt werden.

Das Fangen stellt für Vögel immer eine Extremsituation dar; daher werden die Tiere am besten kontinuierlich mit Leckerbissen an einen Transportkäfig gewöhnt. Im Ernstfall können sie mit einem feinmaschigen Fangkescher eingefangen und anschließend vorsichtig umfasst werden. Vorsicht: Plattschweifsittiche können kräftig zubeißen!

Besonderheiten

Plattschweifsittiche unterliegen in Deutschland dem Artenschutzrecht (Anhang B). Die Vögel sind zwar nicht meldepflichtig; ein Herkunftsnachweis wird jedoch benötigt.

Ein Nistkasten sollte daher nur angeboten werden, wenn konkrete Zuchtabsichten bestehen und Abnehmer für die Jungtiere vorhanden sind. Bei Problemen mit der Eiablage (Dauerlegen, Legenot) muss ein vogelkundiger Tierarzt hinzugezogen werden.

Gelegentlich werden auf den Menschen geprägte, „superzahme“ Einzeltiere zum Verkauf angeboten; diese Form der kommerziellen Handaufzucht und die daraus folgende Einzelhaltung sind aus Tierschutzgründen abzulehnen.