Sperlingspapageien

Sperlingspapageien (Forpus) leben in den Tropen und Subtropen Mittelamerikas und angrenzenden Gebieten Südamerikas. Ihren Namen verdanken die sie ihrer Größe, denn mit durchschnittlich 10 - 13 cm Körpergröße zählen sie zu den kleinsten Papageienarten der Welt.

Ähnlich wie die bekannteren Agaporniden zeigen auch die Sperlingspapageien ein stark ausgeprägtes Paarverhalten. Haben sich zwei Partner gefunden, bleiben diese lebenslang zusammen und dürfen nicht mehr getrennt werden. Sie verbringen täglich viel Zeit mit gegenseitiger Gefiederpflege und intensivem Körperkontakt.

Sperlingspapageien sind äußerst lebhafte und neugierige Papageien; Blaugenick- (Forpus coelestis) und Augenring-Sperlingspapageien (F. conspicillatus) eignen sich für die private Haltung. Von diesen Arten gibt es eine Vielzahl von Farbschlägen, was die genaue Artbestimmung gelegentlich erschwert. In Haltung und Pflege unterscheiden sich die Arten nicht. 

Geschlechtsunterschiede

Während männliche Blaugenick-Sperlingspapageien eine deutlich ausgeprägte blaue Genickzeichnung und männliche Augenring-Sperlingspapageien einen deutlich ausgeprägten blauen Augenring besitzen, sind die Weibchen beider Arten unscheinbarer gefärbt. Bei Farbzuchten sind die Geschlechtsunterschiede unter Umständen nicht mehr so deutlich ausgeprägt.

Verhalten

Sperlingspapageien müssen immer paarweise gehalten werden. Da die Tiere gegenüber fremden Paaren sehr aggressiv sein können, ist die Haltung mehrere Paare nur in sehr großen Volieren möglich. Auch eine Vergesellschaftung mit anderen Vogelarten ist nicht empfehlenswert. Beim Tod eines Tieres muss das verbliebene Tier wieder vergesellschaftet werden; dies geschieht anfänglich am besten mit Hilfe eines zweiten Käfigs, damit sich die Tiere langsam aneinander gewöhnen können, oder auf einem für beide Tiere fremden Territorium.

Sperlingspapageien sind tagaktiv; empfohlen wird eine Nachtruhe von mindestens 10 Stunden (ggf. abdunkeln).

Verhaltensgerechte Unterbringung

Trotz ihrer geringen Körpergröße sind Sperlingspapageien sehr aktive Flieger. Daher ist ein Vogelzimmer mit einem Schlafkäfig die ideale Wahl. Alternativ wäre die Haltung in einem Vogelheim oder einer Voliere mit der Mindestgröße von 100 x 50 x 100 cm (Länge x Breite x Höhe) für ein Paar und zusätzlich täglich mehrere Stunden Freiflug möglich. Eine reine Käfighaltung ohne täglichen Freiflug wird dem Bewegungsbedürfnis der Tiere nicht gerecht und ist als tierschutzwidrig einzuschätzen.

Die Voliere sollte an einer ruhigen, hellen Stelle ohne direkte Sonnenstrahlung stehen. Käfige müssen in einer Höhe von mindestens 0,80 m aufgestellt werden. Der ideale Temperaturbereich liegt bei 18 bis 25 °C. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte über 60 % betragen. Plötzliche Temperaturschwankungen und Zugluft sind zu vermeiden! Sperlingspapageien können ganzjährig in Freivolieren mit einem temperierten Schutzhaus (mindestens 15 °C) gehalten werden.

Für die Einrichtung eignen sich Sitzstangen, Leitern, Seile, Schaukeln u. ä. Die Sitzstangen – optimal sind Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern – sollten etwas federn, damit Gelenke und Füße der Tiere geschont werden. Die Sitzmöglichkeiten sollten so angeordnet sein, dass eine Verschmutzung durch herabfallenden Kot vermieden wird. Bei der Einrichtung ist stets darauf zu achten, dass noch ausreichend freier Raum zum Fliegen vorhanden ist. Eine Bademöglichkeit (Schale oder Badehäuschen) wird ebenfalls gerne genutzt.

Sperlingspapageien benötigen täglich neue Beschäftigungsmöglichkeiten! Aufgrund des Nagetriebes der Tiere sind Äste von Laubbäumen (z. B. Hasel, Weide, Birke) besonders gut geeignet, ebenso wie Gräser, unbehandeltes Holzspielzeug, Pappschachteln, Bälle etc.

Als Bodengrund eignen sich Hanfeinstreu oder andere saugfähige Materialien. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen bei Zimmerhaltung eine gezielte Beleuchtung mit UV-Anteilen. Falls Leuchtstoffröhren zum Einsatz kommen, müssen diese flackerfrei sein (elektronische Vorschaltgeräte). Vögel neigen im Dunkeln zu Panikreaktionen und können sich dabei schwer verletzen; ein schwaches Orientierungslicht (Mondlicht) im Raum kann dies verhindern.

Achtung: Spiegel, Plastikvögel und leicht verschluckbare Kleinteile sind als Spielzeug ungeeignet! Sandpapiermatten oder -überzüge, Rundkäfige, Käfige mit weißen Gittern sowie (schlecht) verzinkte oder mit Kunststoff überzogene Gitter sind ebenfalls tierschutzwidrig.

Ernährung

Sperlingspapageien sind gierige Fresser und neigen zur Verfettung. Gut geeignet ist eine Wellensittich- oder Agaporniden-Körnermischung (2 leicht gehäufte Essl. pro Tag und Tier) mit möglichst wenig Sonnenblumenkernen oder anderen fetthaltigen Sämereien. Werden zusätzlich Hirsekolben angeboten, sollte die Futtermenge entsprechend reduziert werden. Als Alternative kann auch Pelletfutter angeboten werden, wenn die Tiere daran gewöhnt wurden.

Zusätzlich erhalten die Tiere täglich reichhaltig Frischfutter wie Kräuter (u. a. Vogelmiere, Küchenkräuter), Gemüse (wie Gurke, Zucchini, Paprika; Vorsicht: Avokado ist für die Tiere giftig!) und Obst (z. B. Äpfel). Gerne angenommen wird auch Keimfutter in kleinen Mengen (Vorsicht: Regt die Tiere u.U. zur Brut an und verdirbt schnell; Hygiene sorgfältig beachten!).

Zur Verdauung und für gesunde Knochen wird Grit – beispielsweise als Mineralpickstein – benötigt. Während des jährlichen Gefiederwechsels (Mauser) benötigt der Vogel tierisches Eiweiß (z.B. etwas Ei- oder Weichfutter). Einmal pro Woche sollte ein geeignetes Vitaminpräparat gegeben werden.

Sauberes Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Wasser- und Futtergefäße sowie Badegelegenheiten sind so anzubringen, dass sie von den Vögeln nicht verschmutzt werden.

Zur Eingewöhnung junger Tiere empfiehlt es sich, das Futter und Wasser auf dem Boden anzubieten. 

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Bademöglichkeiten müssen täglich gründlich gereinigt werden. Mindestens einmal in der Woche müssen das Vogelheim und die Einrichtung gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert sowie der Bodengrund komplett erneuert werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Vögel zeigen ihr Unwohlsein erst spät, deshalb ist sofortiges Handeln unerlässlich! Kompetenter Ansprechpartner ist der vogelkundige Tierarzt. Häufige Krankheitsanzeichen sind Teilnahmslosigkeit, aufgeplustertes oder verschmutztes Gefieder, Gefiederlücken, Schlafen auf beiden Beinen und veränderter Kot. Bei Bedarf sind zu lange Krallen oder der Schnabel zu kürzen. Auch hier sollte der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Eingewöhnung und Umgang

In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Vögel viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Besonders in der Eingewöhnungsphase sollten schnelle Bewegungen in der Nähe der Tiere vermieden werden. Auch leises, ruhiges Ansprechen hilft bei der Eingewöhnung. Sind die Tiere nicht mehr ängstlich, kann versucht werden, ihnen mit der Hand Leckerbissen wie Hirsekolben anzubieten. Sperlingspapageien können bei richtigem Umgang – auch bei paarweiser Haltung – zahm werden.

Vögel reagieren auf ungewohnte Reize häufig sehr hektisch. Grundsätzlich suchen sie bei Beunruhigung gerne erhöhte Sitzplätze auf. Entsprechend hohe Volieren oder eine erhöhte Aufstellung des Käfigs/Vogelheimes helfen Stress zu reduzieren.

Eingewöhnten Tieren kann Freiflug angeboten werden. Alle potenziellen Gefahrenquellen beim Freiflug, wie bspw. offene Fenster, Fensterscheiben ohne Aufkleber, Zimmerpflanzen oder andere Haustiere, müssen dabei berücksichtigt werden. Um die Rückkehr in den/die Käfig/Voliere zu erleichtern, sollte nur im Käfig/Voliere gefüttert werden. Evtl. können die Tiere mit Leckerbissen (z. B. Hirse) in den Käfig gelockt werden.

Das Fangen stellt für Vögel immer eine Extremsituation dar; daher werden die Tiere am besten kontinuierlich mit Leckerbissen an einen Transportkäfig gewöhnt. Im Ernstfall können sie mit einem feinmaschigen Fangkescher eingefangen und anschließend vorsichtig umfasst werden. Vorsicht: Sperlingspapageien können trotz ihrer geringen Größe kräftig zubeißen!

Die Vögel sind für Kinder ab 12 Jahren (unter Aufsicht der Eltern) geeignet.

Besonderheiten

Die genannten Arten stehen unter Artenschutz (Anhang B); sie sind zwar nicht meldepflichtig; ein Herkunftsnachweis wird jedoch benötigt.

Ein Nistkasten sollte nur angeboten werden, wenn konkrete Zuchtabsichten bestehen und Abnehmer für die Jungtiere vorhanden sind.

Gelegentlich werden auf den Menschen geprägte, „superzahme“ Einzeltiere zum Verkauf angeboten; diese Form der kommerziellen Handaufzucht und die daraus folgende Einzelhaltung sind aus Tierschutzgründen abzulehnen.