Timalien/Stare

Timalien und Stare werden aufgrund ihrer Ernährungsweise zu den „Weichfressern“ gezählt, da sie sich überwiegend von Insekten und/oder Früchten ernähren. Zu den bekanntesten Timalienarten zählen die Chinesische Nachtigall (Sonnenvogel, Leiothrix lutea) und der Silberohr-Sonnenvogel (Leiothrix argentauris). Bei den Staren sind es der Beo (Gracula religiosa) und der Hirtenstar (Hirtenmaina, Acridotheres tristis).

Während Chinanachtigall und Silberohr-Sonnenvogel wegen ihres Gesanges sehr beliebt sind, faszinieren die Stare durch ihre Begabung Geräusche nachzuahmen. Achtung: Weichfresser stellen hohe Anforderungen an Ernährung und Hygiene!

Geschlechtsunterschiede

Bei den genannten Arten ist eine sichere Geschlechtsbestimmung nur mit Hilfe eines DNA-Tests oder Endoskopie möglich.

Verhalten

Die genannten Vogelarten leben überwiegend gesellig, d.h. zumindest paarweise und außerhalb der Brutzeit in Gruppen oder Schwärmen. Alle genannten Arten müssen daher immer paarweise oder in kleinen Gruppen gehalten werden. Insbesondere die Männchen können während der Brutsaison untereinander aggressiv sein. Des Weiteren muss die individuelle Verträglichkeit in jedem Fall gewährleistet sein.

Beim Tod eines Tieres muss das verbliebene Tier wieder vergesellschaftet werden; dies geschieht anfänglich am besten mit Hilfe eines zweiten Käfigs, damit sich die Tiere langsam aneinander gewöhnen können.

Timalien und Stare sind tagaktiv; empfohlen wird eine Nachtruhe von mindestens 10 Stunden (ggf. abdunkeln).

Verhaltensgerechte Unterbringung

Für Chinesische Nachtigallen und Silberohr-Sonnenvögel eignet sich eine gut strukturierte Zimmervoliere mit mindestens 200 x 100 x 180 cm für maximal 4 Tiere. Ruhigen und zutraulichen Tieren sollte darüber hinaus Freiflug angeboten werden.

Für Hirtenstare und vor allem Beos ist eine Zimmervoliere mit mindestens 200 x 100 x 180 cm für zwei Tiere und täglich mehrere Stunden Freiflug erforderlich (ideal sind großzügige Außenvolieren mit Schutzhaus).

Die Voliere sollte an einer ruhigen, hellen Stelle ohne direkte Sonnenstrahlung stehen. Der ideale Temperaturbereich liegt zwischen 18 und 25 °C, die relative Luftfeuchtigkeit sollte bei 60% liegen. Plötzliche Temperaturschwankungen und Zugluft sind unbedingt zu vermeiden! Eine ganzjährige Haltung in Freivolieren ist ebenfalls möglich, wenn ein ausreichend großer, temperierter Schutzraum temperiertes Schutzhaus (mind. 10 °C) und Schattenplätze vorhanden sind.

Für die Einrichtung eignen sich Sitzstangen, Seile, Schaukeln u. ä. Die Sitzstangen – optimal sind Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern – sollten etwas federn, damit Gelenke und Füße der Tiere geschont werden. Die Sitzmöglichkeiten sollten so angeordnet sein, dass eine Verschmutzung durch herabfallenden Kot vermieden wird. Bei der Einrichtung ist stets darauf zu achten, dass noch ausreichend freier Raum zum Fliegen vorhanden ist.

Insbesondere Stare benötigen täglich neue Beschäftigungsmöglichkeiten, beispielsweise Äste von Laubbäumen mit Knospen oder Blättern (z. B. Hasel, Weide, Birke), Gräser ebenso wie unbehandeltes Holzspielzeug etc. Eine Bademöglichkeit (Schale oder Badehäuschen) wird ebenfalls gerne genutzt.

Als Bodengrund eignen sich Hanfeinstreu oder andere saugfähige Materialien. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen bei Zimmerhaltung eine gezielte Beleuchtung mit UV-Anteilen. Falls Leuchtstoffröhren zum Einsatz kommen, müssen diese flackerfrei sein (elektronische Vorschaltgeräte). Vögel neigen im Dunkeln zu Panikreaktionen und können sich dabei schwer verletzen; eine schwache Lampe (Mondlicht) im Raum kann dies verhindern.

Achtung: Spiegel, Plastikvögel und leicht verschluckbare Kleinteile sind als Spielzeug ungeeignet! Sandpapiermatten oder -überzüge, Rundkäfige, Käfige mit weißen Gittern sowie (schlecht) verzinkte oder mit Kunststoff überzogene Gitter sind ebenfalls tierschutzwidrig.

Ernährung

Gut geeignet für Hirtenstar, Chinesische Nachtigallen und Silberohr-Sonnenvögel sind handelsübliche Weichfuttermischungen für Insektenfresser. Außerdem müssen täglich Obst (z. B. Apfel, Banane) und lebende Insekten (z. B. Mehlwürmer) angeboten werden. Eine Exoten(samen)mischung kann zusätzlich angeboten werden, da die Tiere als Beikost auch gerne Sämereien aufnehmen.

Bei der Ernährung von Beos steht eine abwechslungsreiche und vielfältige Obstnahrung im Vordergrund (z. B. Birnen, Äpfel, Bananen, Aprikosen, Feigen, Papaya, Kiwis; keine sauren Obstsorten!). Vor allem auf ausreichend Vitamin C ist zu achten. Darüber hinaus empfiehlt sich die Gabe von Insektenweichfutter und lebenden Insekten. Bei Beos muss auf eine eisenarme Ernährung geachtet werden, da ein zu hoher Eisengehalt im Futter zu gesundheitlichen Störungen führen kann (Eisenspeicherkrankheit).

Werden mehrere Tiere gehalten ist es häufig sinnvoll das Futter auf mehrere Näpfe zu verteilen, um Aggressionen an der Futterstelle zu vermeiden.

Wasser- und Futtergefäße sowie Badegelegenheiten sind so anzubringen, dass sie von den Vögeln nicht verschmutzt werden.

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Bademöglichkeiten müssen täglich (mehrmals) gründlich gereinigt werden. Mindestens einmal in der Woche, bei Beos täglich (!), müssen die Volieren und die Einrichtung gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert sowie der Bodengrund komplett erneuert werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Vögel zeigen ihr Unwohlsein erst spät, deshalb ist sofortiges Handeln unerlässlich! Kompetenter Ansprechpartner ist der vogelkundige Tierarzt. Häufige Krankheitsanzeichen sind Teilnahmslosigkeit, aufgeplustertes oder verschmutztes Gefieder, Gefiederlücken, Schlafen auf beiden Beinen und veränderter Kot. Bei Bedarf sind zu lange Krallen zu kürzen. Auch hier sollte der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Eingewöhnung und Umgang

In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Vögel viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Timalien werden in der Regel nicht handzahm und reagieren auf ungewohnte Reize sehr hektisch. Beos und Hirtenstare können dagegen sehr zahm werden.

Besonders in der Eingewöhnungsphase sollten schnelle Bewegungen in der Nähe der Tiere vermieden werden. Auch leises, ruhiges Ansprechen hilft bei der Eingewöhnung. Grundsätzlich suchen Vögel bei Beunruhigung gerne erhöhte Sitzplätze auf. Entsprechend hohe Voliere helfen Stress zu reduzieren.

Eingewöhnten Tieren kann Freiflug angeboten werden. Alle potenziellen Gefahrenquellen beim Freiflug, wie bspw. offene Fenster, Fensterscheiben ohne Aufkleber, Zimmerpflanzen oder andere Haustiere, müssen dabei berücksichtigt werden. Um die Rückkehr in die Voliere zu erleichtern, sollte nur in der Voliere gefüttert werden. Evtl. können die Tiere mit Leckerbissen (z. B. Hirse, Mehlwürmer) in den Käfig gelockt werden.

Das Fangen stellt für Vögel immer eine Extremsituation dar; daher werden die Tiere am besten kontinuierlich mit Leckerbissen an einen Transportkäfig gewöhnt. Im Ernstfall können sie mit einem feinmaschigen Fangkescher eingefangen und anschließend vorsichtig umfasst werden.

Besonderheiten

Beos leben in einer festen, lebenslangen Paarbindung. Daher sind sie in der Wahl ihres Lebenspartners sehr wählerisch. Im Allgemeinen gilt: Je jünger die Tiere sind, desto besser gewöhnen sie sich an andere Artgenossen. Aus diesem Grund ist die kommerzielle Handaufzucht einzelner Tiere als tierschutzwidrig abzulehnen.

Außer dem Hirtenstar unterliegen alle genannten Arten dem Artenschutzrecht. Sie sind meldepflichtig und ein Herkunftsnachweis ist erforderlich.