Unzertrennliche/Agaporniden

Ihren Namen "Unzertrennliche" (engl. Lovebirds) verdanken die kleinen Papageien ihrem stark ausgeprägten Paarverhalten. Haben sich zwei Partner gefunden, bleiben diese häufig lebenslang zusammen und verbringen täglich viel Zeit mit gegenseitiger Gefiederpflege und intensivem Körperkontakt.

Agaporniden stammen ursprünglich aus dem tropischen Afrika. Es sind sehr lebhafte, neugierige und durchaus auch laute Papageien. Häufig gehalten werden z. B. Schwarz- (Agapornis personatus), Ruß- (A. nigrigenis), Rosen- (A. roseicollis) und Pfirsichköpfchen (A. fischeri). Von diesen Arten gibt es eine Vielzahl von Farbschlägen, was die genaue Artbestimmung teilweise erschwert. In Haltung und Pflege unterscheiden sich die Arten jedoch nicht. 

Geschlechtsunterschiede

Bei Jungtiere können die Geschlechter äußerlich nicht zuverlässig unterschieden werden; eindeutige Ergebnisse liefert nur ein DNA-Test. Bei älteren Tieren ist eine Geschlechtsbestimmung u. U. über die Körperform möglich. Weibchen sind etwas größer, schwerer und sitzen breitbeiniger.

Verhalten

Die sehr geselligen Unzertrennlichen müssen immer paarweise oder in kleinen Gruppen, möglichst mit einer geraden Anzahl von Tieren, gehalten werden. Gut geeignet sind reine Männchengruppen oder gemischtgeschlechtliche Gruppen mit einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis. Da Unzertrennliche untereinander sehr zänkisch sein können, sollten möglichst Jungtiere miteinander vergesellschaftet werden. Haben sich bereits Paare gefunden, dürfen diese nicht mehr getrennt werden. Eine Vergesellschaftung mit anderen Vogelarten ist nicht empfehlenswert.

Beim Tod eines Tieres muss das verbliebene Tier wieder vergesellschaftet werden; dies geschieht anfänglich am besten mit Hilfe eines zweiten Käfigs, damit sich die Tiere langsam aneinander gewöhnen können.

Agaporniden sind tagaktiv; empfohlen wird eine Nachtruhe von mindestens 10 Stunden (ggf. abdunkeln).

Verhaltensgerechte Unterbringung

Trotz ihrer geringen Körpergröße sind Unzertrennliche sehr aktive, flinke und schnelle Flieger und benötigen daher entsprechend viel Platz. Da sich Agaporniden in einer Gruppe am wohlsten fühlen, ist ein Vogelzimmer mit einem Schlafkäfig/-voliere die ideale Wahl. Alternativ wäre die Haltung in einer großen Zimmervoliere (z.B. 200 x 100 x 200 cm) mit zusätzlich täglich mehreren Stunden Freiflug möglich. In beiden Fällen kann eine Gruppe von 4 - 6 Tieren gehalten werden.

Für die Haltung eines Paares ist ein Vogelheim/Käfig mit einer Mindestgröße von 100 x 50 x 100 cm (Länge x Breite x Höhe) und zusätzlich täglich mehrere Stunden Freiflug erforderlich. Eine reine Käfighaltung ohne täglichen Freiflug wird dem Bewegungsbedürfnis der Tiere nicht gerecht und ist als tierschutzwidrig einzuschätzen.

Da Agaporniden kräftige Schnäbel besitzen und gerne nagen, müssen Vogelheim und Voliere entsprechend stabil sein. Die Gitter dürfen nicht lackiert sein, sondern müssen eine stabile Beschichtung aufweisen. Ideal ist eine Querverdrahtung, da sie von den Tieren gerne zum Klettern genutzt wird.

Die Voliere sollte an einer ruhigen, hellen Stelle ohne direkte Sonnenstrahlung stehen. Käfige müssen in einer Höhe von mindestens 0,80 m aufgestellt werden. Der ideale Temperaturbereich liegt zwischen 18 und 25 °C, die relative Luftfeuchtigkeit sollte bei 60 % liegen. Plötzliche Temperaturschwankungen und Zugluft sind unbedingt zu vermeiden! Agaporniden können nur ganzjährig in Freivolieren gehalten werden, wenn ein temperiertes Schutzhaus (mind. 1 m², mind. 10 °C) und ausreichend Schattenplätze vorhanden sind.

Für die Einrichtung eignen sich Sitzstangen, Leitern, Seile, Schaukeln u. ä. Die Sitzstangen – optimal sind Naturäste mit unterschiedlichen Durchmessern – sollten etwas federn, damit Gelenke und Füße der Tiere geschont werden. Die Sitzmöglichkeiten sollten so angeordnet sein, dass eine Verschmutzung durch herabfallenden Kot vermieden wird. Bei der Einrichtung ist stets darauf zu achten, dass noch ausreichend freier Raum zum Fliegen vorhanden ist. Sitz- und Schlafbrettchen werden gerne angenommen. Eine Bademöglichkeit (Schale oder Badehäuschen) wird ebenfalls gerne genutzt.

Unzertrennliche benötigen täglich neue Beschäftigungsmöglichkeiten! Aufgrund des starken Nagetriebes der Tiere sind Äste von Laubbäumen (z. B. Hasel, Weide, Birke) besonders gut geeignet, ebenso wie unbehandeltes Holzspielzeug, Pappschachteln, Bälle etc. Die intelligenten Tiere reagieren auch sehr positiv auf Clickertraining.

Als Bodengrund eignen sich Hanfeinstreu oder andere saugfähige Materialien. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen bei Zimmerhaltung eine gezielte Beleuchtung mit UV-Anteilen. Falls Leuchtstoffröhren zum Einsatz kommen, müssen diese flackerfrei sein (elektronische Vorschaltgeräte). Vögel neigen im Dunkeln zu Panikreaktionen und können sich dabei schwer verletzen; ein schwaches Orientierungslicht (Mondlicht) im Raum kann dies verhindern.

Achtung: Spiegel, Plastikvögel und leicht verschluckbare Kleinteile sind als Spielzeug ungeeignet! Sandpapiermatten oder -überzüge, Rundkäfige, Käfige mit weißen Gittern sowie (schlecht) verzinkte oder mit Kunststoff überzogene Gitter sind ebenfalls tierschutzwidrig.

Ernährung

Unzertrennliche sind gierige Fresser und neigen zur Verfettung. Gut geeignet ist eine Wellensittich- oder Agaporniden-Körnermischung (2 leicht gehäufte Essl. pro Tag und Tier) mit möglichst wenig Sonnenblumenkernen oder anderen fetthaltigen Sämereien (z. B. Hanf, Kardi). Werden Hirsekolben angeboten, sollte die Menge entsprechend reduziert werden. Als Alternative kann auch Pelletfutter angeboten werden, wenn die Tiere daran gewöhnt wurden. Werden mehrere Tiere gehalten ist es sinnvoll das Futter auf mehrere Näpfe zu verteilen, um Aggressionen an der Futterstelle zu vermeiden.

Zusätzlich erhalten die Tiere täglich reichhaltig Frischfutter wie Kräuter (u. a. Vogelmiere, Küchenkräuter), Salate (z. B. Chicoree, Feldsalat), Gemüse (wie Gurke, Zucchini, Paprika Vorsicht: Avokado ist für die Tiere giftig!) und Obst (z. B. Äpfel).

Zur Verdauung und für gesunde Knochen wird Grit – beispielsweise als Mineralpickstein – angeboten. Während des jährlichen Gefiederwechsels (Mauser) benötigt die Tiere etwas tierisches Eiweiß (z. B. etwas Ei- oder Weichfutter). Einmal pro Woche sollte ein geeignetes Vitaminpräparat gegeben werden.

Sauberes Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Wasser- und Futtergefäße sowie Badegelegenheiten sind so anzubringen, dass sie von den Vögeln nicht verschmutzt werden.

Zur Eingewöhnung junger Tiere empfiehlt es sich, das Futter und Wasser auf dem Boden anzubieten. 

Pflege

Futter- und Trinkwassergefäße sowie Bademöglichkeiten müssen täglich gründlich gereinigt werden. Mindestens einmal in der Woche müssen das Vogelheim und die Einrichtung gründlich gereinigt und ggf. desinfiziert sowie der Bodengrund komplett erneuert werden.

Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich kontrolliert werden. Vögel zeigen ihr Unwohlsein erst spät, deshalb ist sofortiges Handeln unerlässlich! Kompetenter Ansprechpartner ist der vogelkundige Tierarzt. Häufige Krankheitsanzeichen sind Teilnahmslosigkeit, aufgeplustertes oder verschmutztes Gefieder, Gefiederlücken und veränderter Kot. Bei Bedarf sind zu lange Krallen oder Schnäbel zu kürzen. Auch hier sollte der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Eingewöhnung und Umgang

In den ersten Tagen in ihrem neuen Heim benötigen die Vögel viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Besonders in der Eingewöhnungsphase sollten schnelle Bewegungen in der Nähe der Tiere vermieden werden. Auch leises, ruhiges Ansprechen hilft bei der Eingewöhnung. Sind die Tiere nicht mehr ängstlich, kann versucht werden, ihnen mit der Hand Leckerbissen wie Hirsekolben anzubieten. Agaporniden können bei richtigem Umgang handzahm werden.

Vögel reagieren auf ungewohnte Reize häufig sehr hektisch. Grundsätzlich suchen sie bei Beunruhigung gerne erhöhte Sitzplätze auf. Entsprechend hohe Volieren oder eine erhöhte Aufstellung des Käfigs/Vogelheimes helfen Stress zu reduzieren.

Eingewöhnten Tieren kann Freiflug angeboten werden. Alle potenziellen Gefahrenquellen beim Freiflug, wie bspw. offene Fenster, Fensterscheiben ohne Aufkleber, Zimmerpflanzen oder andere Haustiere, müssen dabei berücksichtigt werden. Um die Rückkehr in den/die Käfig/Voliere zu erleichtern, sollte nur im Käfig/Voliere gefüttert werden. Evtl. können die Tiere mit Leckerbissen (z. B. Hirse) in den Käfig gelockt werden.

Das Fangen stellt für Vögel immer eine Extremsituation dar; daher werden die Tiere am besten kontinuierlich mit Leckerbissen an einen Transportkäfig gewöhnt. Im Ernstfall können sie mit einem feinmaschigen Fangkescher eingefangen und anschließend vorsichtig umfasst werden. Vorsicht: Die Tiere können kräftig zubeißen!

Agaporniden eignen sich für Kinder frühestens ab 12 Jahren (unter Aufsicht der Eltern).

Besonderheiten

Agaporniden stehen mit Ausnahme des Rosenköpfchens unter Artenschutz (Anhang B). Die oben genannten Arten sind zwar nicht meldepflichtig; ein Herkunftsnachweis wird jedoch benötigt.

Agaporniden sind Höhlenbrüter. Nistkästen sollten aber nur angeboten werden, wenn konkrete Zuchtabsichten bestehen und Abnehmer für die Jungtiere vorhanden sind. Zum Bau der Nester benötigen Agaporniden Weidenzweige.

Gelegentlich werden auf den Menschen geprägte, „superzahme“ Einzeltiere zum Verkauf angeboten; diese Form der kommerziellen Handaufzucht und die daraus folgende Einzelhaltung sind aus Tierschutzgründen abzulehnen.